Neues Stahlskelett für die Viktoriabrücke

Die nächste Brücke, die nächste Hiobsbotschaft: Die Viktoriabrücke ist schadhafter als gedacht und muss für viel Geld nicht nur saniert, sondern in Teilen ganz neu gebaut werden.

Bonn. Die nächste Brücke, die nächste Hiobsbotschaft: Die Viktoriabrücke ist schadhafter als gedacht und muss für viel Geld nicht nur saniert, sondern in Teilen ganz neu gebaut werden.

Das Tiefbauamt ließ am Mittwoch mitteilen, dass es den Bonner Politikern am 16. März im Planungsausschuss die Kompletterneuerung der Stahlbrücke vorschlägt - also eine deutlich umfangreichere Maßnahme als eine reine Sanierung.

"Die Aufhebung der geltenden Belastungseinschränkung kann durch eine Sanierung - wenn überhaupt - nur mit einem erheblichen technischen Aufwand erreicht werden", schrieb das Presseamt am Mittwoch in einer Mitteilung.

Mit Projektkosten nach derzeitigem Stand von etwa neun Millionen Euro (und Gesamtkosten von 13,7 Mio.) ist ein Neubau nach Auffassung der Verwaltung wirtschaftlicher als die bloße Sanierung. Die Stadt Bonn beruft sich dabei auf das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsberechnung aus dem vergangenen Jahr, bei der die Kosten von Sanierung und Neubau der Stahlbrücke gegenübergestellt worden waren.

Dass die Viktoriabrücke erneuert werden muss, steht seit langem fest. Bei der alle drei Jahre erforderlichen Hauptuntersuchung der Viktoriabrücke im Jahr 2006 waren erhebliche Schäden festgestellt worden. Dies erhärtete sich bei der Sonderuntersuchung 2009/2010, die unter anderem auch diverse Materialprüfungen beinhaltete, berichtet die Stadt: "Die Folge war, dass seit Mai 2010 die Brücke für Fahrzeuge über 16 Tonnen gesperrt werden musste."

Wegen des Auftragsumfangs müssen bereits die Ingenieurleistungen für den Neubau europaweit ausgeschrieben werden. Da es sich bei der Viktoriabrücke um eine stark frequentierte innerstädtische Verkehrsachse handelt, möchte die Stadt den Neubau der Stahlbrücke weitestgehend unter Aufrechterhaltung des Verkehrs bewältigen.

Wie das genau gehen soll, ist Bestandteil der Detailplanung, die derzeit entwickelt wird. Vorstellbar ist aber, das Stahlskelett in zwei Längsabschnitten zu erneuern. "Wir planen so, dass immer ein Bereich für den Verkehr geöffnet sein soll", sagte eine Sprecherin am Mittwoch.

Im Zuge der Erneuerung hält die Stadt es außerdem für sinnvoll, die bislang nicht vorhandene Verbindung wichtiger Hauptverkehrsstraßen aus dem Bonner Westen mit dem Nordzubringer in Richtung Verteilerkreis am Potsdamer Platz zu schaffen.

Dies soll in Form einer Rampe von der Viktoriabrücke zur Thomastraße erfolgen, die nach derzeitigen Berechnungen Kosten von rund 5,3 Millionen Euro verursachen würde. Sie soll die B 56/ Endenicher Straße - Viktoriabrücke mit dem Nordzubringer Thomastraße, Heinrich-Böll-Ring, Verteilerkreis verknüpfen. Ziel ist die Entlastung u.a. der Bornheimer Straße.

Dem Auftrag für eine detaillierte Verkehrsuntersuchung hat der Planungsausschuss am 22. Januar zugestimmt. Das Land habe bereits sowohl für die Erneuerung und Sanierung als auch für die Rampe eine grundsätzliche Förderfähigkeit unter gewissen Voraussetzungen signalisiert.