Nach jahrelangem Streit rückt Bebauung des Hölders in Röttgen näher

RÖTTGEN. Waldarbeiter fällen mehrere hundert Bäume. Die Stadt richtet auf dem Grundstück einen Bauplatz ein

Jahrelang haben sich Bürger, Politiker und Stadtverwaltung über Sinn und Zweck sowie über die Gestaltung des Neubaugebiets "Am Hölder" gestritten. Die Auseinandersetzung dauerte so lange, dass bislang nicht wenige Bonner davon ausgegangen sind, dass der Baubeginn auf den sogenannten Sankt Nimmerleinstag verschoben wird.

Seit wenigen Tagen tut sich aber was am nördlichen Ortsrand von Röttgen: Waldarbeiter haben westlich vom Friedhof einen Grünstreifen komplett abgeholzt. Mehrere hundert Fichten wurden gefällt. Nach Auskunft des städtischen Presseamtes hat die Stadt Bonn das Grundstück von Privatleuten gekauft, um dort eine Lagerfläche für Baumaschinen einrichten zu können.

Der Bonner Stadtrat hatte im September den Bebauungsplan "Am Hölder" beschlossen und damit den Weg für ein dringend erforderliches Umlegungsverfahren frei gemacht. Das bedeutet: Da einzelne private Grundstücke teilweise zu klein sind, um Häuser darauf zu bauen, ordnet die Stadt die Grundstücke neu an, damit bebaubare Parzellen daraus werden.

Anschließend werden die Eigentümer die Grundstücke an Bauinteressenten verkaufen oder selbst dort bauen. Nach Auskunft der Stadt besitzt eine Erbengemeinschaft einen sehr großen Grundstücksteil, für den nach GA-Informationen ein Investor gesucht wird.

 In Kürze sollen auch die ersten Infrastrukturarbeiten auf der Fläche vorgenommen werden. Will heißen: Kanal-, Wasser- und Gasrohre sowie Stromleitungen werden verlegt. Wann allerdings die ersten Häuser gebaut werden, steht noch nicht fest. Grundsätzlich könnten die ersten Gebäude im nächsten Jahr errichtet werden.

Bei dem Streit um die Bebauung ging es all die Jahre um die Umfänge des Neubaugebietes. FDP-Ratsherr Joachim Stamp sprach im vergangenen Jahr noch von einer "städtebaulichen Todsünde", wenn das gesamte freie Feld zwischen Ückesdorf und Röttgen bebaut werden sollte. Seine Warnung stieß nicht auf Gehör. Gebaut werden dürfen nun in die Höhe maximal drei Voll- und ein Staffelgeschoss pro Gebäude.

Zahlreiche Umweltexperten warnten mehrmals davor, die für Bonn so wichtige Freiluftschneise zu zu bauen. Dass von der Stadtim Rahmen des Bebauungsplanverfahrens in Auftrag gegebene Klimagutachten sprach sich zwar auch gegen eine Bebauung aus, besagte aber, dass die Modellrechnungen für den Fall einer Bebauung keine wesentlichen Einschränkungen des so genannten Talabwindsystems im Lengsdorfer Bachtal vorhersagen würden.

Baugebiet "Am Hölder": Die Fläche zwischen der Reichsstraße, der Heidegartenstraße und dem Weg "Am Hölder" ist ungefähr 17 Hektar groß. Nach Berechnungen der Stadtverwaltung können dort maximal 375 Wohneinheiten errichtet werden. Das bedeutet: Ungefähr 1.000 Neubürger finden in dem Wohngebiet Platz.