Bonner Partyszene

Nach Klinken putzen "Lustig wandern" - auch mit Klangkarussell und Wankelmut

BONN.  Wer richtig feiern will, muss nach Köln fahren. So lautet die Meinung vieler junger Leute, denen die Club-Szene in Bonn zu langweilig ist. Dass dem aber mittlerweile - vor allem für Fans elektronischer Musik - nicht mehr so ist, daran haben Sergio Morazan und Niklas Schäfer einen großen Anteil. Seit geraumer Zeit machen sie unter ihren Künstlernamen Onomato Poesie und Nick Lase mit der Party-Reihe "Lustig Wandern" auf sich aufmerksam.
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Die elektronische Musik im Koffer ziehen die beiden DJs Onomato und Nick Lase von Party zu Party. Sie steigen zum Beispiel auch in Köln und Aachen. Repro: GA

Die elektronische Musik im Koffer ziehen die beiden DJs Onomato und Nick Lase von Party zu Party. Sie steigen zum Beispiel auch in Köln und Aachen. Repro: GA

"Wir haben im Frühjahr 2011 ganz klein angefangen, damals kamen vielleicht 300 Leute zu unseren Partys", erinnert sich Morazan, der seinen Master (Marketing & Sales) an der FOM-Hochschule für Oekonomie in Bonn absolviert. Die Idee sei lediglich gewesen, anspruchsvolle Musik für Freunde zu machen und eine Veranstaltung zu organisieren, zu der man auch selbst hingehen würde. Dabei sei es nicht um Kommerz, sondern viel mehr um die Liebe zur Musik gegangen.

Zumindest die Sache mit den Freunden hat sich mittlerweile geändert: Dank viel mühevoller Arbeit und Herzblut sind die "Lustig Wandern"-Partys inzwischen ein Erfolg: Die letzte im Kameha Grand Hotel lockte, auch dank DJ Oliver Koletzki, längst nicht nur Freunde und Bekannte, sondern knapp 2500 Besucher an.

"Dabei war das am Anfang gar nicht unbedingt der Plan. Durch meinen Nebenjob in der »Nachtschicht« konnte ich mich ab und zu mal am DJ-Pult versuchen. Das habe ich dann während meines Aufenthalts in Madrid vor allem auf privaten Feiern weitergeführt", berichtet der 24-jährige Sergio Morazan alias Onomato Poesie. Nach seiner Rückkehr tauschte er sich regelmäßig mit seinem Bekannten, dem zwei Jahre jüngeren Niklas Schäfers, über neue Möglichkeiten aus. So entstand dann die erste gemeinsame Party in der N8lounge in Bonn, die von den "Panama"-Gigs in der Beueler Rheinaue fortgesetzt wurde.

Lustig Wandern Party im Rheingarten
Gerade bei Open-Air Veranstaltungen habe man natürlich eine enorme Verantwortung, was Ordnung und Sauberkeit betrifft. "Oft haben wir noch lange nach Ende der Party alles wieder aufgeräumt, so dass es am Ende oft sauberer als vorher war", sagt Morazan,

Als "Lustig Wandern" noch in den Kinderschuhen steckte, hieß es erst einmal Klinken putzen - und Lehrgeld zahlen: Wie sorgt man für die richtige Kulisse, wie kommt das Technik-Equipment zum Ort des Geschehens, wo kann man Toilettenwagen mieten? Und so weiter. "Das war eine Menge Arbeit, aber am Ende hat es immer Spaß gemacht", sagt Schäfers.

Mit dem Modeladen Sugar Free (ehemals Chewing Gum) hatten sie von Anfang an einen Förderer. Geschäftsführer Andreas Lorenz erkannte das Potenzial, das in dem Projekt steckte, und sponserte regelmäßig Flyer, Plakate oder ähnliches. Dank geschickter Öffentlichkeitsarbeit, die vor allem über Facebook lief und läuft, wurden die Partys schnell einige Nummern größer: Die beiden Gymnasiasten vom Ernst-Kalkuhl-Gymnasium (Morazan) und Integrierte Gesamtschule Beuel (Schäfers) können mittlerweile neben ihrer Tätigkeit als DJs auch auf Topacts verweisen. "Im letzten Jahr konnten wir Hochkaräter wie Klangkarussell (»Sonnentanz«), Booka Shade, Maceo Plex oder Wankelmut (»One Day«) für uns gewinnen", berichtet Morazan stolz.

Lustig Wandern im Rheingarten (30.4.)
Acts in dieser Größenordnung füllen locker den Rheingarten oder eben das Kameha. Angesichts des immer größeren Erfolgs entschlossen sich die zwei, zusammen mit Andreas Lorenz eine eigene Firma zu gründen. Seit Anfang 2012 steuern sie nun die Geschicke der "Lustig Wandern Music & Event UG" vom Büro im Keller des Sugar Free Geschäftsgebäudes in der Innenstadt aus. Dabei kommt ihnen ihr Wissen aus dem Studium (Schäfer studiert E-Business und Logistik in Remagen) ebenso zugute, wie die schon in der Vergangenheit geknüpft Kontakte.

Man wolle nicht nur tolle Partys machen, sondern auch ganz gezielt jungen Künstlern aus der Region eine Plattform bieten. Bonn habe in dieser Beziehung einiges zu bieten, das müsse man auch fördern. Schließlich haben sie selbst mal klein angefangen, treten nun aber längst auch außerhalb von Bonn auf. So sind sie regelmäßig beim Berliner Tresor Club, einer der Geburtsorte des Techno, zu Gast, und auch auf Ibiza traten sie im vorigen Jahr erstmals auf.

Die Zeiten, als "Lustig Wandern" quasi nebenher lief, sind also passé. Um die anfallende Arbeit besser zu verteilen, gibt es bei ihnen stets einen Praktikanten und ab Frühjahr auch einen Auszubildenden. Die nächsten zwei Jahre gelte es erst mal, eine solide Basis zu schaffen, dann könne man weitersehen. Im Moment werden die Einnahmen zum allergrößten Teil in neue Partys, die mittlerweile auch in Köln oder Aachen stattfinden, reinvestiert.

Der ungewöhnliche Name kam übrigens zufällig zustande: Morazan hörte mit Freunden das Lied "Lustig Wandern" von DJ Synapsenkitzler. "Mir war sofort klar: Wenn ich irgendwann mal eine Party organisiere, dann heißt sie »Lustig Wandern«." Zu Elektromusik zu tanzen, sehe zudem manchmal auch aus, als würde man auf der Stelle wandern. Partys von Morazan und Schäfer sind immer ab 18. "Aber nicht, weil wir keine Jugendlichen mögen", versichern sie.

"Lustig Wandern"-Party im Rheingarten (24.03.2012)
 

Der Grund sei eher, dass es ihnen und den Gästen auf eine Mischung aus Feiern und guter, elektronischer Musik ankomme und nicht auf etwaigen erhöhten Alkoholkonsum. Das Zielpublikum liegt grob zwischen 18 und 35 Jahren. "Lustig Wandern" kann man wieder am Freitag, 25. Januar, ab 22 Uhr im Bootshaus in Köln.

Onomato Poesie und Nick Lase:
Eine Onomatopoesie ist ein Stilmittel der Lyrik, das die Lautmalerei innerhalb eines Gedichtes benennt und auch häufig in Comics verwendet wird. Sergio Morazán hat sich diesen Begriff als Namen verpasst und dazu seinen Stil zwischen fröhlichem Tech-House, klangvollem Minimal und frechem Techno geschaffen. Die Plattenkiste des gebürtigen Bonners Nick Lase beherbergt facettenreiche Tracks der House und Techno Musik. Seit Anfang 2012 sitzt der 20-Jährige regelmäßig in seinem Homestudio und gibt seine musikalische Energie in selbstproduzierten Tracks wieder.

www.facebook.com/lustigwandern

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