Moderne Praxen in alten Mauern

Im Johannes-Hospital ist seit Anfang Juli auch das ambulante OP-Zentrum in Betrieb. Es war keine leichte Aufgabe, auf langen Krankenhausfluren Arztpraxen unterzubringen. Doch inzwischen ist das Gesundheitszentrum gut gefüllt.

Bonn. Es war keine leichte Aufgabe, auf langen Krankenhausfluren Arztpraxen unterzubringen. Doch inzwischen ist das Gesundheitszentrum St.-Johannes-Hospital gut gefüllt. Die historischen Fußböden und Gewölbe, die bei der Sanierung des 2005 geschlossenen Krankenhauses zum Vorschein kamen, stehen jetzt in reizvollem Kontrast zu den modern eingerichteten Praxisräumen.

Acht Millionen Euro hat das Bonner Gemeinschaftskrankenhaus seit der Schließung ins Haus St. Johannes investiert. "Ich bin glücklich, dass es gelungen ist, das Johannes-Hospital mit seiner langen Tradition wieder für die Gesundheitsversorgung im Bonner Norden zu nutzen", sagte der Krankenhausobere Christoph Bremekamp. Obwohl St. Johannes kein Krankenhaus mehr ist, bleibt der alte Name erhalten.

Hinter den Verantwortlichen liegt eine lange Durststrecke. "Planung und Finanzierung brauchten Zeit", sagte Bremekamp. Gefäßchirurg Bernward von Loewenich, der mit seiner Praxis 2006 einzog, war lange Pionier im Johannes-Hospital. Im November 2009 füllte sich mit einem Schlag ein großer Teil des Hauses, als die Kliniken des Landschaftsverbandes dort eine Dependance eröffneten.

Das Johannes-Hospital Das Johannes-Hospital entstand auf Initiative und mit Spenden von Bonner Bürgern. 1859 wurden die ersten Patienten behandelt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Krankenhaus schwer beschädigt. Mit 200 Betten war das Johannes-Hospital zuletzt Bonns kleinstes Krankenhaus. 2002 schloss es sich dem Gemeinschaftskrankenhaus St. Elisabeth/St. Petrus an. 2005 entschied die Landesregierung, das Hospital zu schließen.

Seit Anfang des Monats wird im Johannes-Hospital wieder operiert. Das Gemeinschaftskrankenhaus hat sein ambulantes OP-Zentrum unter der Leitung von Dr. Fabian Hottelet eröffnet, wo derzeit vor allem Orthopäden und Unfallchirurgen des Petrus-Krankenhauses operieren. "Die Patienten schätzen die private Atmosphäre", berichtete Anästhesist Hans-Otto Prag. Zudem sind die Wartezeiten deutlich kürzer als im regulären Krankenhausbetrieb. Nach einer Startphase von einem halben Jahr soll noch ein zweiter Operationssaal öffnen.

Dr. Peter May und Dr. Christian Fehring setzen mit ihrer Praxis für Innere Medizin eine Tradition fort, sie sind beide ehemalige Mitarbeiter des Johannes-Hospitals. Zwei Patienten, die Fehring einst auf der Intensivstation nach einem Herzinfarkt reanimiert hatte, kommen heute an gleicher Stelle in seine Praxis. "Die Infrastruktur ist betörend, man kann parken, es ist stadtnah und barrierefrei", sagte May. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei nach wie vor groß, viele Patienten seien begeistert, berichtete Fehring.

In der neu eröffneten Praxis der Kinderzahnärztinnen Dr. Christine Henke und Mirella Schumann ist die Farbe gerade erst trocken. Hier ist alles auf kleine Patienten eingestellt: Das Wartezimmer sieht aus wie ein Spielplatz, Fußabdrücke von Frosch und Maulwurf an den Flurwänden weisen den Weg in die Behandlungsräume, und schon am Empfangstresen gibt es Gucklöcher auf Kinderhöhe.

Die Lage des Johannes-Hospitals überzeugte die beiden Zahnärztinnen ebenso wie die Logopädie- und die Augenarztpraxis unterm selben Dach, die ebenfalls Kinder betreuen.

Auch wenn das Haus inzwischen zu 85 Prozent gefüllt ist, wird weiter gebaut: Direkt hinter dem Haupteingang bereitet das Sanitätshaus Hohn seinen Einzug vor. Laut Bremekamp wird außerdem mit einem Betreiber für die geplante Gastronomie verhandelt.

Geplant ist außerdem, den maroden Zweckbau im Inneren des Gebäudeensembles abzureißen, ein Termin steht noch nicht fest. Auch die mit Graffiti besprühte Mauer zur Kölnstraße hin soll weichen. "Dann kann man die schöne alte Fassade wieder sehen", freut sich Bremekamp.