"Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben"

Tag des Friedhofs auf dem Bonner Münsterplatz - Kreative, aber kostengünstige Grab-Gestaltung

Bonn. Rosengestecke in Herzform, Grabsteine mit Motiven des biblischen Jerusalem und Efeubepflanzung im Karoformat. Neue Trends aus einem zumeist abseitig behandelten Metier wurden am Samstag auf dem Münsterplatz vorgestellt.

Gemeinsam mit den lokalen Gewerbezusammenschlüssen von Bestattern, Steinmetzen, Floristen und Friedhofsgärtnern organisierte das Bonner Amt für Stadtgrün zum insgesamt dritten Mal den "Tag des Friedhofs". In den vergangenen beiden Jahren fand die Informationsschau auf Friedhöfen statt. In diesem Jahr entschieden sich die Verantwortlichen ganz bewusst, Informationsstände und Arbeitsproben auf dem zentralen Münsterplatz herzurichten.

"Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben. Dieses Lutherzitat zeigt meiner Meinung nach gut auf, dass der Tod Teil unseres Lebens ist", erklärte der Vorsitzende des Bonner Bestatterverbandes, Wilhelm Becker, den Ortwechsel. Stadt und Gewerbe waren im Vorfeld gespannt auf die Reaktionen der Citybummler.

"Für uns ist das ein Experiment, denn unsere Arbeit lässt sich schwierig darstellen", sagte Becker. Immer noch haftet Bestattern und allen, die mit Bestattungsfragen in Berührung kommen, der Ruch des Unheimlichen an. Dementsprechend zurückhaltend stellte sich das Frageverhalten der Passanten dar.

"Interessierte bleiben nur kurz stehen, haben sehr konkrete Fragen und ziehen zumeist unmittelbar nach dem Erhalt einer Antwort weiter", beobachtete der Endenicher Steinmetzmeister Josef Simon, der eine Auswahl seiner Grabsteinarbeiten präsentierte. "Am häufigsten fragen die Menschen nach Unterhaltskosten für Gräber", führte Simon weiter aus.

Jennifer Herent, Auszubildende in einer Friedhofsgärtnerei, betreute die Bepflanzung eines Modellgrabbeetes. "Die meisten Interessenten haben sich Anregungen eingeholt, wie man Gräber kreativ, jahreszeitgemäß und trotzdem kostengünstig anlegen und pflegen kann", berichtete die Königswinterin.

Bestatter Becker konnte dem Trend zum Kostensparen nur beipflichten. "Auch in Bestattungsfragen sitzt den Bürgern der Euro weniger locker im Geldbeutel als noch vor ein paar Jahren." Hätten Hinterbliebene früher Gesamtvorschläge für Bestattungsabläufe schnell abgesegnet, würden sie heute länger und genauer Kostenfaktoren und mögliche Alternativlösungen prüfen.

Ein dickes Kompliment machte Becker der Stadt Bonn für ihr dezentrales Friedhofswesen: "Jahrelang schlossen andere Kommunen kleinere Ortsfriedhöfe und bündelten die Grabplätze auf immer größer werdenden Zentralanlagen. Im Bonner Rat hat sich diese Politik zum Vorteil der Bürger nicht durchgesetzt. Und gerade ältere Hinterbliebene können so die räumliche Nähe zu ihrem Trauerort wahren."

Insgesamt zeigten sich Stadt und Aussteller mit dem Verlauf der Schau zufrieden. Über eine Wiederholung im kommenden Jahr, wiederum auf dem Münsterplatz, wird bereits nachgedacht.