Mit der Seilbahn auf den Venusberg

BONN. Eine Vision der Verkehrsplaner: Von der Straßenbahn in Dottendorf umsteigen in eine Kabine zum Bonner Uni-Klinikum.

Es ist nur ein Satz in dem 18-seitigen Verkehrsentwicklungsplan, den die Stadt Bonn im Mai ihren Gremien vorgelegt hat: Ein "neues spurgeführtes Verkehrsmittel von Dottendorf auf den Venusberg" ist dort aufgeführt unter dem Stichwort: Maßnahmen, die vertieft untersucht werden sollen.

Dahinter steckt die Vision einer Seilbahn, die zwischen der Straßenbahnlinie 61/62 (etwa ab Hindenburgplatz) und dem Arbeitsplatz-Schwerpunkt der Uni-Kliniken pendeln könnte. Die Idee: Anstatt den langen, kurvenreichen Weg zum Venusberg per Auto oder Linienbus zu bewältigen, könnte man diese 500 Meter Luftlinie mit Hilfe einer Seilbahn in nur wenigen Minuten bewältigen.

"Wir denken noch nicht an eine Realisierung, sondern überlegen erst mal nur, ob für eine solche Strecke überhaupt Potenzial vorhanden ist", sagt Verkehrsplaner Raimund Brodehl und drückt sich damit bewusst vage aus. Allerdings hat sich ein Gutachter schon auf dem Papier damit beschäftigt: Demnach würde ein Seilbahn-Bau rund 15 Millionen Euro kosten und im Jahr 750 000 Euro an Betriebskosten verschlingen.

Eine Talstation in Dottendorf reiche aus, auf dem Venusberg müsse es aber drei Haltestellen auf dem Klinikgelände geben, die letzte im hinteren Winkel an der Nervenklinik. Wichtig auch zu wissen: Der Seilbahnbetrieb ist nicht kostendeckend zu betreiben. "Die ersten Ergebnisse sind nicht so, dass wir Hurra schreien würden", sagt Brodehl.

"Aber sie sind auch nicht so, dass es illusorisch wäre." Man müsse sich, so zitiert der Verkehrsplaner den Gutachter, einfach weiter mit der umweltfreundlichen Idee beschäftigen und sich vielleicht auch zu einer Kosten-Nutzen-Analyse durchringen. Das ist Sache der politischen Gremien, die im kommenden Sommer den Verkehrsentwicklungsplan verabschieden sollen.

Doch auch die Politiker sind relativ vorsichtig in ihren Einschätzungen: "Die Idee ist spannend und interessant", sagte Arno Hospes (CDU). "Aber das ist Zukunftsmusik." Auf jeden Fall hätten andere Projekte wie die Erneuerung des Busbahnhofs Priorität. Für Hospes gehört zu einer Seilbahn auf jeden Fall auch ein Park & Ride-Parkplatz in der Nähe.

Die Stadtverwaltung will auf so einen Platz verzichten, weil sie die Straßenbahn-Anbindung in Dottendorf für ausreichend hält. Auch Rolf Beu (Grüne) hält die Idee für attraktiv, um für viele Uni-Beschäftigte und Patienten den "riesigen Umweg" abzukürzen. "Aber der Zeithorizont dafür liegt bestimmt bei zehn Jahren", meint er.

Und: Die Nachfrage müsste vorhanden sein. Auch für Werner Esser (SPD) ist die Idee nicht mehr als eine Zukunftsvision. "Man müsste erst mal untersuchen, ob das funktioniert und welche Kosten es mit sich bringt", sagt er. "Ehrlich gesagt, ich kann mir das nicht so richtig vorstellen."

Um zu sehen, wie das funktioniert, muss man indes gar nicht weit fahren. In Koblenz wurde im Sommer eine Seilbahn quer über den Rhein in Betrieb genommen, um das Bundesgartenschau-Gelände mit der Festung Ehrenbreitstein zu verbinden. Die knapp ein Kilometer lange Seilbahn entstand in 14-monatiger Bauzeit und kostete zwölf Millionen Euro.

Jede der 18 Kabinen bietet Platz für 35 Passagiere und legt eine Wegstrecke in nur vier Minuten zurück. Mit einer Kapazität von 7 600 Fahrgästen pro Stunde ist sie die größte Seilbahn Deutschlands, der Fahrpreis beträgt acht Euro für Erwachsene. Einziges Manko: Nach der Bundesgartenschau 2011 soll sie nur noch bis Ende 2013 fahren. Und dann wieder abgebaut werden.