Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung

Mit Markus Lanz in Indien unterwegs

Gespräch in einem Dorf in Südindien: Markus Lanz und Rosi Gollmann informieren sich auf ihrer Projektreise über die Arbeit und Erfolge der Andheri-Hilfe. Repro: GA

BONN. Der TV-Journalist hat die Bonnerin Rosi Gollmann begleitet. Seit zehn Jahren unterstützt die Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung (RGASt) die Arbeit der Andheri-Hilfe Bonn. Die unabhängige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit fördert Projekte in Indien und Bangladesch.

Der April 2002 markierte den Anfang einer Erfolgsgeschichte: Bis heute ist das Stiftungskapital auf rund 3,75 Millionen Euro angewachsen. Insgesamt wurden etwa 700.000 Euro für ausgewählte Projekte eingesetzt - allein 2011 rund 100.000 Euro für Projekte, die den Ärmsten Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Mit dem TV-Journalisten Markus Lanz und einem ZDF-Team reiste Rosi Gollmann, Gründerin und Ehrenvorsitzende der Andheri-Hilfe sowie Gründerin und Vorsitzende der RGASt, neun Tage lang nach Indien. Dort informierten sie sich über zwei von der Stiftung geförderte Projekte. Deren Ziele: Der Kampf gegen Mädchentötungen in südindischen Dörfern sowie die Integration von HIV-Infizierten und an Aids erkrankten Frauen und Kindern in den Slums von Madurai.

Bei drückender Hitze besuchte das Team die Menschen. "Markus Lanz hat die direkte Nähe zu den Betroffenen nicht gescheut", lobte Gollmann den neuen Moderator von "Wetten, dass...?" Wann das ZDF die geplante Dokumentation über die Projektreise ausgestrahlt wird, steht jedoch noch nicht fest.

Unter Tränen erzählten die Frauen von Schicksalen, die unter die Haut gehen. So berichteten Mütter im Dorf Karisalpatti von ihren neugeborenen Töchtern, deren Tötung sie nicht verhindern konnten. Weil die Familie später für ihre Mitgift aufkommen muss, galten die Mädchen als finanzielle Belastung. Mit dem indischen Projektpartner "Association for Rural Development" kämpft die Andheri-Hilfe gegen die Tötungen: Geschulte Frauen besuchen ihre Nachbarinnen und ermutigten sie, in Selbsthilfegruppen Auswege aus ihrer Not zu finden. Erst nach einigen Monaten wird das Tabuthema Mädchentötung angesprochen.

Weitere Maßnahmen sind unter anderem die Betreuung von Schwangeren und ihren Familien, Gesundheitsmaßnahmen für die Kleinsten sowie Bildungsmaßnahmen für Mädchen und Jungen. Die gesamte Dorfgemeinschaft werde einbezogen, berichtete Gollmann. Frauen erhielten eine berufliche Ausbildung und somit ein eigenes Einkommen.

Das Resultat: Die Wertschätzung der Frau steigt - und mit ihr die Akzeptanz von Töchtern. Laut Gollmann nahmen bislang rund 180 Dörfer an dem Projekt teil. Die zuletzt erfassten Dörfer seien noch auf dem Wege, aber die Bewohner der ersten 150 Dörfer seien "mädchentötungsfrei". Rund 8 715 Mädchen habe das Projekt bereits das Leben gerettet.

Ein weiteres Projekt kümmert sich um die Integration von HIV-Infizierten und an Aids erkrankten Frauen und Kindern in städtischen Slums. Obwohl die Frauen meist von ihren Männern infiziert würden, gebe man ihnen die Schuld, berichtete Gollmann. Verstoßen und ohne Arbeit, bliebe vielen nur der Weg in die Prostitution oder ein Dasein als Bettlerin.

Auch ihre Kinder würden diskriminiert und aus Angst vor der Immunschwäche der Schule verwiesen. In den Slums von Madurai bieten die Andheri-Hilfe und die "Association for Rural Development" unter anderem Schulungen im Umgang mit HIV und Aids sowie zu Ernährung und Medikamenteneinnahme.

Den Frauen würden einfache handwerkliche Fähigkeiten zur Sicherung ihres Einkommens vermittelt, so Rosi Gollmann. Die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Integration der Betroffenen seien weitere wichtige Projektpunkte.

Die Stiftung

Am 23. April 2002 wurde die Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung von der Bezirksregierung Köln genehmigt. Anfängliches Stiftungskapital: Rund 455 500 Euro. In zehn Jahren haben sich etwa hundert Förderer aktiv für die Stiftung eingesetzt, sieben Treuhandstiftungen wurden unter ihrem Dach eingerichtet. Weitere Förderer gewährten Stiftungsdarlehen oder spendeten. Zudem wurde ein Stiftungsfonds mit gezielten Einlagen errichtet. Heute beträgt das Stiftungskapital rund 3,75 Millionen Euro - nicht einberechnet die zeitnah eingesetzten Spenden und Erträge, die der Andheri-Hilfe Bonn zugute kamen.