Missbrauch am CoJoBo - Zwei Pater beschuldigt

Das Collegium Josephinum gibt auf GA-Anfrage Hinweise auf zwei mögliche Täter im Bereich des damaligen Internats zu. "Beide sind länger verstorben, die vorgeworfenen Handlungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wären verjährt", erläutert der Schulseelsorger.

Bonn. Die Nachricht auf der Homepage des katholischen Redemptoristenordens der Provinz St. Clemens in Köln liest sich auf den ersten Blick spröde. "In den letzten Tagen und Wochen haben sich Betroffene bei uns gemeldet und insgesamt sechs Mitbrüder als Täter genannt. Zwei der genannten Mitbrüder waren im Internat der Redemptoristen in Bonn, einer war im Internat in Glanerbrück in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen verantwortlich."

Es geht um, wie der Orden schreibt, "sexuelle und körperliche Misshandlungen". Zwei Pater des ehemaligen Collegium-Josephinum-Internats werden solcher Taten beschuldigt. Die 1920 in Bonn eröffnete, staatlich anerkannte Privatschule in der Trägerschaft des Ordens umfasst in der Kölnstraße 413 ein Gymnasium mit derzeit 900 und eine Realschule mit 400 Schülern. Bis 1983 unterhielt der Orden hier einen Internatsbetrieb.

Man habe nun "einen externen Beauftragten für die Untersuchung von eventuellen Fällen von sexuellem Missbrauch durch Mitglieder unserer Ordensprovinz in Vergangenheit und Gegenwart" ernannt, erklärt der Orden. Der Mann heißt Hermann-Josef Merzbach und ist Richter am Amtsgericht Leverkusen. Er habe mit zahlreichen Betroffenen Gespräche geführt, bestätigt Merzbach.

Und er werde in Kürze einen Zwischenbericht über die, so der Ordensauftrag, "externe, unabhängige Untersuchung von Vorwürfen oder Ereignissen" vorlegen. Spreche der Orden bislang von sechs beschuldigten Patern der Provinz, so werde sich seinen Recherchen nach die Zahl möglicher Täter erhöhen, deutet der Richter an. "Das Dilemma ist aber, dass sich viele Betroffene nur anonym melden wollen. Dann sind mir die Hände gebunden", bedauert es Merzbach, der laut Ordensauskunft freien Zugang zu den Archiven der Provinz besitzt.

Einen von GA-Lesern genannten Verdächtigten, der Ende der 70er Jahre vom Collegium Josephinum versetzt worden sein soll, kann der Richter bislang nicht einordnen. Er bitte deshalb alle, die Angaben machen könnten, sich per E-Mail zu melden (hermann-josef.merzbach@ag-leverkusen.nrw.de).

Das Collegium Josephinum selbst gibt auf GA-Anfrage Hinweise auf zwei mögliche Täter im Bereich des damaligen Internats zu. "Beide sind länger verstorben, die vorgeworfenen Handlungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wären verjährt", erläutert Schulseelsorger Pater Jürgen Langer. Es gebe darüber hinaus Vorwürfe in Bezug auf körperliche Gewalt gegen einen weiteren Pater, der noch lebe. "Hier warten wir auf den Bericht unseres Beauftragten. Es handelt sich aber um jemanden, der schon lange nicht mehr in Bonn tätig ist."

Pater Provinzial Hermann ten Winkel habe sich persönlich der Opfer angenommen, die einen Kontakt wünschten. Alle Mitarbeiter, die Schüler- und die Elternschaft seien informiert worden und hätten, da die Anschuldigungen das Internat in der Zeit vor 1968 beträfen, "verhalten" reagiert. Man habe in den Schulen jedoch begonnen, das Personal verstärkt in Bezug auf sexualisierte Gewalt und deren Prävention weiterzubilden, so Pater Langer.

Erste Reaktionen kommen auch von der Redemptoristenzentrale in Köln. "Als Regionaloberer bin ich erschüttert über die Berichte, die uns erreicht haben", erklärt Pater Johannes Römelt dann doch deutlich. Nichts von dem Leid, das den Betroffenen zugefügt wurde, könne ungeschehen gemacht werden. Gerade deshalb wolle der Orden sie nicht allein lassen. "In meiner Verantwortung für die Redemptoristen der Region Köln bitte ich die Betroffenen für das Unrecht um Vergebung, das ihnen durch Angehörige unserer Ordensgemeinschaft zugefügt wurde."