Amerikanische Siedlung in Tannenbusch

Mieterin klagt: "Hier wird eine Perle ruiniert"

Ortstermin: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber (links) im Gespräch mit den aufgebrachten Mietern.

BONN. Bewohner der Siedlung in Tannenbusch kritisieren zunehmende Verwahrlosung: Mit der Resonanz hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber nicht gerechnet. Gut 60 Anwohner standen bei ihm, als er am Dienstagabend in die amerikanische Siedlung in Tannenbusch kam, um dort mit den Mietern über Leerstände zu sprechen.

"Ich dachte, ich gehe hier mit zwei, drei Menschen durch die Siedlung", scherzte Kelber. "Aber das zeigt ja, dass hier einiges im Argen liegt".

Dass das zumindest aus Sicht der Anwohner so ist, machten deren Ausführungen deutlich. Die Initiative "Mieter der Siedlung Im Tannenbusch-Hohe Straße" hat deswegen vor wenigen Tagen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) angeschrieben, ihr gehören die Häuser. In dem Schreiben stellen die Bewohner Fragen zur Zukunft der Siedlung. 76 Mieter hätten den Brief unterschrieben.

Beunruhigt sind sie nicht zuletzt von den vielen Leerständen, in dem Brief fragen sie nach den Gründen dafür. Bereits 2008 haben Mieter laut Klara Geilenkirchen, Mitinitiatorin der Unterschriftenliste, den Bund der Steuerzahler angeschrieben und auf diese Leerstände aufmerksam gemacht. Interessenten würden Wohnungen nicht bekommen, es gäbe viele widersprüchliche Aussagen. "Wir wollen einfach Planungssicherheit und wissen, wo wir dran sind", sagte Norbert Höfer. "Wir hören Gerüchte, die uns verunsichern", sagte ein weiterer Mieter.

Neben den Leerständen kritisierten die Mieter zunehmende Verwahrlosung, Schimmel und fehlende Ansprechpartner. Eigentlich, so die Anwohner, sei die denkmalgeschützte Siedlung schön. "Hier wird eine Perle ruiniert, es ist eine Schande", rief eine Mieterin. Eine Stunde lang ließen die Mieter ihrem Unmut freien Lauf, bevor es zum Rundgang durch die Siedlung ging. "Es gibt derzeit keine Pläne, die Häuser zu verkaufen", sagte Bima-Sprecher Guido Déus dem GA. Drei Dinge hätten zur derzeitigen Situation geführt. Zum einen gebe es einen "Sanierungsstau im siebenstelligen Bereich". Er rechnet damit, dass die "Maßnahmenplanung kurzfristig abgeschlossen" sei, dies sei Voraussetzung dafür, dass das Geld fließt.

Zudem habe es Gespräche mit dem Studentenwerk gegeben, im Zuge dessen seien Wohnungen bewusst zurückgehalten worden. "Die Bima geht jetzt wieder dazu über, die Wohnungen auch auf dem freien Markt anzubieten", sagte Déus. Zu guter letzt habe es "Reibungsverluste und Schwierigkeiten" bei der Übertragung der Hausverwaltung auf die Firma Reiser gegeben. "Künftig wollen wir unsere gemeinsame Informationspolitik verbessern."