Mehlem'sche Haus in Beuel: "Eine Frischzellenkur wäre mal nötig"

Vor 30 Jahren retteten Bürger das Mehlem'sche Haus vor dem Abriss. Heimatforscher Bachem beklagt Zustand

Beuel. Heute ist das Mehlem'sche Haus ein Schmuckstück der Beueler Rheinpromenade: Ehrwürdig erhebt sich die ockerfarbene Fassade der spätbarocken Villa neben der Beueler Brückenrampe in den rheinischen Himmel, im kleinen Park in ihrem Schatten verbringt so mancher Beueler während des Sommers seine Mittagspausen.

Das sah in den sechziger und siebziger Jahren noch ganz anders aus: "Das Haus war damals absolut heruntergekommen", erklärt Heimathistoriker Carl Jakob Bachem. Seitdem das herrschaftliche Gebäude 1918 in den Besitz der Stadt Bonn übergegangen war, hatte die Bausubstanz im Laufe der Jahrzehnte arg gelitten, erinnert sich der Vorsitzende des Denkmal- und Geschichtsverein Bonn rechtsrheinisch: "Von der großzügigen Freitreppe am Eingang war kaum etwas übriggeblieben, das bronzene Schmuckgitter auf dem Dach war verschwunden, außerdem verschandelten hässliche Anbauten die ohnehin abblätternde Fassade."

Der Zustand der ehemaligen Wohnstätte des Beueler Fährenmeisters Mehlem war so schlecht, dass in der Stadtverwaltung über den Abriss des Anwesens diskutiert wurde. Doch dagegen organisierte sich Widerstand in der Bevölkerung. Ein engagierter Restaurator des Landesmuseums flickte in seiner Freizeit die kaputten Fenster des morschen Dachgeschosses.

Zur Rettung des alten Patrizierhauses gründeten 1975 einige Bürger den Denkmalschutzverein "Haus Mehlem". Jahrelang setzten sie sich für eine Restaurierung des historischen Gebäudes ein - und hatten Erfolg: Bald erstrahlte das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wieder in altem Glanz. 1,2 Millionen Mark hatte die Stadt in die Restauration gesteckt.

Am 27. August 1979 konnte das Haus seinen neuen Besitzern übergeben werden. Seitdem regieren Beethoven, Chopin und Co. unter den Stuckdecken der elf Räume: Hausherr ist nämlich seit 30 Jahren die Beueler Dependance der Musikschule Bonn. Die Arbeit des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-rechtsrheinisch, wie er inzwischen heißt, ist indes noch längst nicht getan.

Das aktuelle Projekt des Vereins liegt in Vilich: Die ehrenamtlichen Denkmalschützer haben in jahrelanger Arbeit und Eigenregie dem "Haus Stroof", Sitz des ersten Bürgermeisters der 1808 gegründeten Gemeinde Beuel, seine historische Form wieder gegeben. Am Samstag wird die politische Keimzelle Beuels als Museum eröffnet.

Derweil macht sich Lokalhistoriker Bachem wieder Sorgen um das Mehlem'sche Haus: "Mittlerweile ist die Renovierung auch wieder dreißig Jahre her. Einige Fensterläden fehlen schon. Das Haus könnte dringend eine erneute Frischzellenkur gebrauchen."