360 Grad-Blick

Marcus Mitter und sein Team machen Panoramabilder und virtuelle Rundgänge

BONN.  Was für ein schöner, gemütlicher Balkon! Wer läuft denn da gerade vor der Metzgerei in der Friedrichstraße? Und wer joggt am Beueler Rheinufer? Die 360-Grad-Ansichten von Marcus Mitter und seines Teams bei 360-up haben es in sich.
Fotograf Marcus Mitter.
								Foto: Privat
Fotograf Marcus Mitter. Foto: Privat

Sie geben nicht nur brillante Stadt- und Landschaftsbilder. Sie eröffnen Blicke, wie selbst erlebt von einem Aussichtspunkt aus. Einmal online gestellt, kann der Betrachter in die kleinsten Winkel zoomen. Die Bonner Ansicht ist vom Dach des Stadthauses aus aufgenommen. Die Vollformat-Profikamera (Canon 5D mk II) wurde dazu auf einem hochfahrbaren Spezialstativ befestigt. Über ein Notebook programmiert, laufen die Köpfe automatisiert ab. Die Kamera schießt fünf Reihen à 71 Bilder.

Die insgesamt 355 Bilder werden so aufgenommen, dass sie sich jeweils zu 25 Prozent überlappen. Die Software wurde in Kooperation mit der kleinen französischen Softwareschmiede Kolor entwickelt. Ihre Arbeiten haben Mitter und sein Team erstmalig auf der Photokina in Köln vorgestellt.

"Da sind wahnsinnige Datenmengen im Spiel", erzählt Mitter. Um zu verdeutlichen, von welchen Mengen er spricht, rollt er die Ansicht von Düsseldorf aus: 8,80 x 1,25 Meter auf Fujicolor-Papier. Die Bonner Ansicht besteht aus 50 Gigabyte Bildern: Ausgedruckt sind das fast 18 mal 12,50 Meter. Auf der Köln-Messe ließen sie eine 360-Grad-Ansicht, aufgenommen vom Dach des KölnTurms, über einen Hochleistungsrechner mit 256 Gigabyte Arbeitsspeicher laufen.

Im Bonner 360-up-Büro wird mit 8-Core-Rechnern gearbeitet. "Da läuft das Programm schon mal die ganze Nacht", sagt Mitter. Dennoch muss vieles noch per Hand nachbearbeitet werden, sind etwa die welligen Panoramen anzugleichen oder die sogenannten Ghosts zu entfernen. Ghosts sind fast transparente Bilder von bewegten Details: der Kran, der sich dreht, ein schnelles Auto, das zweimal auf dem Bild erscheint.

Mitter und seine Partnerin Petra Gremmelspacher, die viele Jahre für den Online-Auftritt des Hauses der Geschichte verantwortlich zeichnete, interessieren sich nicht nur für Panoramabilder. Für das Akademische Kunstmuseum der Uni Bonn entwickeln sie zurzeit virtuelle Rundgänge durch die Sammlung. So was ließe sich auch für besondere Geschäfte oder Immobilien erstellen. Mitter hat sein Hobby zu einer Berufung gemacht.

"Ich war 20 Jahre lang international tätig und habe deutsche Maschinen im Ausland verkauft", erzählt der 47-Jährige. Irgendwann kam der Zeitpunkt einer persönlichen Abrechnung. "Ich saß in einem Hotel und habe mir überlegt, was ich eigentlich will. Das habe ich auf Zettel geschrieben." In Krefeld geboren und aufgewachsen, zog es den jungen Mann mit britischem Pass - der Vater ist Inder - nach dem Abitur nach Bordeaux, wo er Wirtschaft und internationales Handelsrecht studierte. Die Liebe brachte ihn nach Bonn, wo er einen neuen Anfang wagte.

Weitere Infos: www.360-up.com

Abo-Bestellung
News, Informationen und Service aus der Bundestadt Bonn

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+