Marc Asbeck will das Rathaus kaufen

Kaufmann möchte Denkmal sanieren und dann an die Stadt verpachten, die Hausherrin bliebe

Bonn. Als Marc Asbeck vor wenigen Wochen den GA-Bericht " Immer noch kein Geld für die Sanierung des Rathauses" las, habe er spontan zu seiner Frau gesagt: "Da muss ich was tun; aus dem Gebäude muss endlich wieder ein Schmuckstück werden - mit einer Strahlkraft über Bonn hinaus."

Der kreative 40-Jährige entwickelte ein Konzept, das er jetzt der Stadt vorlegen will: "Ich möchte das Rathaus kaufen und nach den Wünschen der Stadt und der Denkmalschützer sanieren. Die Stadt pachtet dann das Rathaus und bleibt natürlich der Hausherr." Eins versichert Bonns größter privater Immobilien-Investor: "Ich will an dieser Aktion keinen Cent verdienen."

Eigentlich sei seine Idee ja "verrückt", sagt er und schmunzelt. Doch er sieht in der Initiative auch eine "persönliche Verpflichtung" Bonn gegenüber: "Die Stadt hat mir viel gegeben; meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier - und nun möchte ich der Stadt etwas zurückgeben."

Das Rathaus bezeichnet er als eine "Braut, die aus 100 Meter Entfernung hübsch aussieht, doch wenn man näher an sie herangeht, bröckelt der Putz". So ist es: Seit 1992 ist eine Grundsanierung vorgesehen, doch die Politiker haben sich nicht dazu durchringen können, die notwendigen Gelder in den Haushalt einzustellen. Daher befinden sich neben Fassade, Türen, Fenstern und Sanitäranlagen auch die Heizungs- und Klimaanlage in einem desolaten Zustand.

"Ich schäme mich, Gäste im Rathaus zu empfangen", räumt OB Bärbel Dieckmann ein. Das könnte sich bald ändern. Denn Asbeck möchte seinen Plan so früh wie möglich umsetzen - so die Kommunalpolitiker ihre Zustimmung geben. Konkret: Er möchte das Rathaus kaufen - zu einem Preis, den ein von der Stadt beauftragter unabhängiger Gutachter festlegen soll.

Zudem will er sich verpflichten, das Gebäude von Grund auf zu modernisieren und auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Dabei kämen ihm auch seine Erfahrungen zugute, die er bereits bei der Sanierung zahlreicher anderer Denkmäler in Bonn gesammelt hat: "Ich stände nach dem Kauf lediglich im Grundbuch; das Rathaus bliebe natürlich das Haus der Bonner und die oder der OB Hausherr."

Ob die von der Stadtverwaltung genannten 3,8 Millionen Euro für die Arbeiten ausreichend sind - da ist er eher skeptisch: "Erfahrungsgemäß verdoppelt sich bei derartigen Objekten die Summe, da man nie einschätzen kann, was sich hinter den Wänden von alten Häusern so alles befindet."

Diese Mehrkosten wären allerdings sein Risiko, betont er: "Die würde ich übernehmen und spielten bei der Festsetzung der Pacht keine Rolle." Seinem Konzept hat er auch bereits einen Namen gegeben: BBM - Bonner Bürger-Modell.

Die Stadt, so sein Konzept, würde dann das Rathaus pachten, also eine monatliche Miete zahlen; sie hätte aber auch die Möglichkeit, es jederzeit zurück zu kaufen.

Marc Asbeck hat in den vergangenen Jahren im ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertel viel investiert. So kaufte und sanierte er an der Kurt-Schumacher-Straße sowie der Heussallee die unter Denkmalschutz stehende ehemalige ägyptische Botschaft sowie fünf früheren Landesvertretungen; ferner den Presseclub, das früherer Gästehaus von Hamburg, das SWR-Studio in der Heinrich-von Brüning-Straße und die ehemalige griechische Residenz in der Simrockstraße.

Sein jüngstes und zugleich größtes Projekt realisiert er derzeit wenige Meter weiter. Dort baut er im Schatten des Towers den "Post-Campus", in dem künftig 2 000 Logistik-Experten arbeiten; die ersten Gebäude mit der DHL-Zentrale sind bereits vor drei Monaten bezogen worden.

Bei der Einweihung sagte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann: "Ich freue mich, wenn sich Investoren wie Marc Asbeck zu Bonn bekennen und zudem gute Entscheidungen für die Stadt treffen und umsetzen."

Übrigens hatte ein anderer Investor vor drei Jahren ähnliche Pläne fürs Beueler Rathaus, das er kaufen, sanieren und dann der Stadt vermieten wollte; auch eine Abriss/Neubau-Überlegung gab's. Doch die Umsetzung scheiterte letztlich am Widerstand der Bevölkerung.

Umgesetzt wurde ein derartiges PPP-Modell (public private partnership) hingegen in Gladbeck. Die westfälische Stadt hatte sich vor zwei Jahren vom Baukonzern Hochtief ein neues Rathaus bauen lassen, in dem die Stadt nun 25 Jahre lang Mieter ist; so lange zahlt sie dem Konzern ein monatliches Nutzungsgeld. "Unsere Entscheidung war absolut richtig und hat sich vor allem auch finanziell gelohnt", heißt es im Gladbecker Rathaus. Nach Informationen des Deutschen Städtetages wird in deutschen Kommunen das PPP-Modell immer häufiger umgesetzt, vor allem bei Schulen, Verwaltungsgebäuden und Krankenhäusern.

Kommentar Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Sorgfältig prüfen"

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