Mächtiges "Majesty" schallt dem Kardinal entgegen

Im Pfarrbereich Rheinviertel stand am Samstag gleich dreierlei an: das 100-jährige Bestehen der Kirche Herz Jesu, die offizielle Einweihung des neuen Klosters und der Besuch von Kardinal Meisner

Bad Godesberg-Villenviertel. Als die 100 Messdiener des katholischen Rheinviertels mit bunten Luftballons auf ihren Fahrrädern am frühen Samstagabend in die Beethovenallee einbogen und hinter ihnen der Kölner Kardinal Joachim Meisner aus dem Wagen stieg, machten Klein-Helena und Felix große Augen.

Zur Begrüßung standen in der klatschenden Menge vor Herz Jesu schon Pfarrer Wolfgang Picken, Bezirksvorsteherin Annette Schwolen-Flümann sowie der evangelische Pfarrkollege Norbert Waschk bereit. Der gemeindliche Bläserkreis ließ ein mächtiges "Majesty" von Jack Hayford erschallen. "Darunter machen wir es nicht", meinte Kantor Ludger Brück.

Worauf der Kardinal aber auch Helena und Felix die Hände schüttelte. "Und da sind uns sogar unsere Namen nicht mehr eingefallen", stammelten die Fünf- und Sechsjährigen hernach ehrfurchtsvoll. Da war der hohe Gast im Gefolge der St. Andreas-Schützen, der Messdiener und der von vielen Ordensschwestern begleiteten neuen Herz-Jesu-Nonnen Stancy, Lancy, Rincy, Linda und Linca schon ins lichte Gotteshaus eingezogen, wo Meisner zum Pontifikalamt lud.

Die 100 Jahre alte Kirche bleibe "ein sichtbares Zeichen für die Gegenwart des Herrn vor Ort", in der jeder Christ zu Hause sein dürfe. Sie stehe aber gleichermaßen für die Weltkirche, beschwor der Kardinal die Gemeinde unter dem riesigen Gekreuzigten. Das Jubiläum gebe letztlich weniger Anlass für Nostalgie, sondern eher dafür, im Glauben getrost die Zukunft anzugehen, meinte Meisner mit Blick auf die Klostergründung, der er dann nach dem Gottesdienst feierlich seinen Segen gab.

Wobei bei aller Freude über das schon segensreiche Wirken der indischen Nonnen im CBT-Altenheim Emmaus etwa in den Worten der Bezirksvorsteherin auch der Blick in die Geschichte der namensgebenden Kirche Herz Jesu nicht zu kurz kam. Die war, auch damals schon dank reicher Bürgerspenden, von einem heute unbekannten Architekten als eine Art Notkirche ins damals eher protestantische Villenviertel gesetzt worden.

Und zwar als relativ kleines neugotisches Gotteshaus, in dem eben 1906 ein Leonardo geheißener Kaplan das erste Messopfer feierte. 1914 gedieh Herz Jesu zu einer selbstständigen Pfarrei. Sieben Jahre später erhielt sie einen eigenen Pfarrer. Als sich dann 1936 schon ganze 1700 Katholiken um Herz Jesu scharten, ging man ein spektakulär neues Kapitel an: Der alte Bau wurde als Querschiff in eine neue große Kirche eingefügt.

"Wenn Herz Jesu auch heute als räumliche Einheit empfunden wird, so liegt das an dieser glücklichen Verbindung der Bauformen im Inneren und Äußeren", lobte 1984 die jüngst verstorbene GA-Journalistin Irmgard Wolf diese architektonische Leistung. Wovon dann auch die Pfarrer profitierten, an die sich alte Godesberger noch erinnern werden: an den 1947 berufenen Wilhelm Zens, der Herz Jesu 1956 nochmals renovieren ließ.

Oder an Edmund Bähr, der von 1961 bis 1990 wirkte. Unter ihm erhielt Herz Jesu sein Jugend- und Pfarrheim, ein Pfarrhaus, eine Bücherei und einen Kindergarten hinzu - alles Gebäude, für die man heute Finanzierungslösungen finden muss. Unter Pfarrer Bähr putzte sich aber auch die Kirche weiter heraus: 1973 ging der Bildhauer Sepp Hürter an die künstlerische Ausstattung.

Von 1990 bis 1993 kümmerte sich dann in seinen letzten Amtsjahren ein waschechter Rüngsdorfer, Pfarrer Roman Horny, um Herz Jesu. 1994 folgte ihm Pfarrer Thomas Bergenthal nach. Doch längst lösten sich rundherum die Gemeindegrenzen auf. Der Pfarrbereich Rheinviertel stellte sich unter Dechant Bernhard Domagalski und seit 2005 unter Pfarrer Wolfgang Picken neu auf.

Und Herz Jesu? Das macht seither, wie berichtet, jede Passionszeit mit phantasievollen Verhüllungsaktionen auf sich aufmerksam - und hat nun im Jubiläumsjahr, dank der Bürgerstiftung Rheinviertel, sogar ein Kloster hinzugewonnen.