Antrag für den Umweltausschuss

Links-Fraktion will Kastrationspflicht für streunende Katzen

Katzenbabys im Bonner Tierheim: Regelmäßig gibt es einen Aufnahmestopp.

BONN. Mit einem Antrag auf Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen hat die Links-Fraktion Bewegung in die seit vielen Jahren anhaltende Diskussion um eine ausufernde Katzenpopulation gebracht. Der Tierschutzverein Bonn sowie die Initiativen Katzen in Not und Katzenhilfe Bonn unterstützen ausdrücklich die Pläne und befürworten den Vorstoß. Die Stadtverwaltung hingegen empfiehlt, den Antrag abzulehnen.

In seiner kommenden Sitzung am Dienstag, 20. März, wird sich der Umweltausschuss mit dem Thema befassen, sechs Tage später stimmt der Rat ab.

Bereits im Juni 2009 stellte Anita Kirchner einen Bürgerantrag, der jedoch an der ablehnenden Haltung des Umweltausschusses scheiterte. Kirchner hofft nun auf ein Einsehen der Behörden: "Es muss langsam etwas passieren. Die Stellungnahme der Verwaltung ist nicht nachvollziehbar." Auch der Vertretungskreis Bonner Tierärzte begrüßt in einem Schreiben an Kirchner das Engagement der Tierschützer und sichert der Initiative seine uneingeschränkte Unterstützung zu.

Besorgniserregend sei das Anwachsen der Populationen von unkastrierten Freigängerkatzen, betont die Katzenbeauftragte des Tierschutzvereins Sabine Reuter. Von 360 im Jahr 2011 aufgenommenen Abgabetieren seien 45 Prozent nicht kastriert, lediglich 20 Prozent gekennzeichnet gewesen. "Es handelt sich um Tiere, deren Besitzer unbewusst oder verantwortungslos handeln, indem sie ihren unkastrierten Tieren Freigang gewähren. Die Folge ist die unkontrollierte Vermehrung und Überforderung der Tierbesitzer", so Reuter.

Die Haltung der Verwaltung, es gebe in Bonn keine abstrakte Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung und so keine Grundlage für eine Verordnung, sei schlicht falsch. "An vielen Stellen in Bonn leben große Gruppen meist in erbärmlicher Verfassung", so Gabriele Führer, Sprecherin von Katzen in Not. Die Tiere würden nicht nur sich, sondern auch andere Freigänger anstecken. "Wir wollen keine Art Politesse, die Katzenhalter kontrolliert, man muss Ausnahmeregeln für reine Hauskatzen und Züchter finden, aber wir wünschen eine Handhabe, um die Besitzer in die Pflicht zu nehmen", betont sie.

Die Zahlen sprechen für den Antragsteller und die unterstützenden Vereine. 436 Katzen wurden 2011 insgesamt gefunden oder gefangen. Davon waren über 80 Prozent unkastriert und zahm. Dreimal müsse das Tierheim Bonn im Jahr einen Aufnahmestopp verhängen.

"Hauptsächlich scheint man die rechtliche Durchsetzbarkeit einer Verordnung zu scheuen", vermutet Reuter. Dabei zeige die Erfahrung von 75 Städten, die in den letzten Jahren eine ähnliche Verordnung eingeführt hätten, dass die Sorgen unberechtigt seien: "Ich frage mich, ob man in der Verwaltung mit den anderen Städten Kontakt aufgenommen hat. Dann hätte sich gezeigt, dass bisher meist gute Erfahrungen gesammelt worden sind."