Landesvertretungen: Thüringen - Kurzes Intermezzo in der Südstadtvilla

Die ehemalige Landesvertretung von Thüringen.

Die ehemalige Landesvertretung von Thüringen.

GA-Serie Ehemalige Landesvertretungen: Thüringen

Bonn. Sie kamen spät, aber nicht zu spät. Im Frühjahr 1991 landeten die neuen Bundesländer in Bonn. Unter ihnen die Vertreter aus Thüringen, die am 12. März 1991 mit dem Möbelwagen in der Simrockallee 13 in der Bonner Südstadt vorfuhren. Zuvor waren sie noch provisorisch in der Heuss-allee untergebracht und waren auf Schützenhilfe der Vertretungen Hessens und Rheinland-Pfalz angewiesen.

Öffentlichkeitswirksam schleppten der Bevollmächtigte, Justizminister Hans-Joachim Jentsch, und der Leiter der Vertretung, Staatssekretär Wolfgang Egerter, selbst mit Umzugskartons in die Südstadtvilla aus dem Jahre 1897 mit ihren drei Stockwerken und dem ausgebauten Dachgeschoss. Später mieteten die Thüringer noch das benachbarte Haus Nr. 15 dazu.

Fortan duftete es hier auf den Sommerfesten nach Thüringer Rostbratwurst, kombiniert mit Köstritzer Schwarzbier oder einem Angerbräu-Pils. Weil Garten und Innenhof der Vertretung zu klein waren, ging man in Bonn auf die Straße, zuletzt im Sommer 1999 auf den Marktplatz, um sich von den Bonnern zu verabschieden.

Ausstellungen im Südstadt-Treppenhaus und die Präsentation von Volkskunst und Musik standen in den Neunzigern auf dem Kulturprogramm. Schillers Geist wehte in so mancher Stunde, Jenoptik zeigte wirtschaftliche Kompetenz und Freunde traditioneller Weihnachtsschnitzereien aus dem Thüringer Wald kamen in der Weihnachtszeit auf ihre Kosten.

Im Juli 1999 stand in Bonn bereits das Abschiedsessen im Beisein von Ministerpräsident Bernhard Vogel auf dem Programm. Ein bisschen Wehmut gehörte auch nach nur acht Jahren am Rhein zur Stimmung im Umzugssommer. Unter den Gästen befand sich damals auch Ehrengast Helmut Kohl sowie prominente Thüringer wie etwa die in Erfurt geborene (und wenige Jahre später verstorbene) Orientalistin Annemarie Schimmel und der in Greiz geborene Astronaut Ulf Merbold.

Der Umzug nach Berlin gestaltete sich für die Thüringer im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern recht einfach: Schließlich mussten sie sich nicht noch um den Verkauf ihrer Bonner Immobilie kümmern.