Landesvertretungen: Berlin - 6000 Gäste beim Laubenpieperfest

Der GA stellt in dieser Serie mit Blick auf das Deutschlandfest vom 1. bis 3. Oktober die ehemaligen Landesvertretungen in Bonn vor. Heute: Berlin.

Bonn. Dass die Berliner Landesvertretung in Bonn immer eine Sonderstellung hatte, war natürlich eine Folge der politischen Situation in den Zeiten des Kalten Krieges. So wurde die Vertretung in der Bonner Südstadt insbesondere von Diplomaten aus den früheren Ostblock-Staaten gemieden, ganz zu schweigen von den Repräsentanten Ost-Berlins, die einen großen Bogen um die schicken Häuser in der Joachimstraße machten.

Untergebracht waren die Berliner in drei Gründerzeitvillen. Haus Nummer 6 und 8 entstanden 1897. Haus Nummer 7, das spätere Verwaltungsgebäude der Vertretung, entwarf der bekannte Bonner Architekt Julius Rolffs 1912.

Seit 1949 nutzte das Land Berlin Haus Nummer 6 und kaufte es 1959 zusammen mit dem Nachbarhaus. 1964 kam die Joachimstraße 8 dazu. Die zwei Doppelhaushälften waren dann seit 1967 miteinander verbunden und dienten als Gästehaus. In Erinnerung dürften vielen Bonnern und vor allem den Nachbarn die legendären Laubenpieperfeste geblieben sein, wenn dafür die ganze Straße gesperrt wurde.

Waren es zu Beginn noch etwa 1 000 Gäste gewesen, tummelten sich in den achtziger Jahren bis zu 6 000 Gäste beim Berliner "Kleingärtnerfest".

"Schließlich gab es dann nicht nur Buletten, sondern auch kulturelle Leckerbissen", schrieb damals der General-Anzeiger. Und überhaupt: Die Berliner in Bonn setzten so einige Maßstäbe. Dazu zählte beispielsweise ein berühmtes Watteau-Gemälde, das unter größten Sicherheitsvorkehrungen im Gästehaus gezeigt wurde. Die Berliner Theaterwoche, Rezitationsabende oder Gastspiele der Berliner Philharmoniker - die Berliner am Rhein waren immer ein Publikumsmagnet.

Nicht ganz so geschmeidig verlief vor zehn Jahren der Umzug der Berliner in ihre Heimat. Querelen mit der Stadt Bonn um die Nutzungsauflagen der Gebäude sorgten dafür, dass die Berliner ihr Gästehaus "nur" für 2,6 Millionen Mark an die neuen Privatnutzer verkaufen konnten. Hätte die Stadt dem Verkauf als Büro-Immobilie zugestimmt, hätte Berlin mit wesentlich höheren Einnahmen rechnen können. Das ehemalige Verwaltungsgebäude, der rote Backsteinbau auf der anderen Straßenseite, wurde an den Bonner Briefmarkenhändler Reinhard Fischer verkauft, der dort bis heute sein Auktions- und Handelshaus für Briefmarken und Münzen betreibt.

Der GA stellt in dieser Serie mit Blick auf das Deutschlandfest vom 1. bis 3. Oktober die ehemaligen Landesvertretungen in Bonn vor.