Landesentwicklungsgesellschaft verkauft: Mieter machen sich Sorgen

Nachdem die Landesentwicklungs-Gesellschaft (LEG) an den Immobilienfonds Whitehall verkauft worden ist, sorgen sich die Bewohner, wie es weitergeht - Sie fürchten Mieterhöhungen

Kessenich. So richtig zum Feiern war den Mietern in der Reutersiedlung am Donnerstagabend nicht zu Mute. Ihr Vermieter, die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), hatte sie zwar zu einem lange geplanten Mieterfest in der ehemaligen Sparkasse an der Graf-Galen-Straße eingeladen. Aber es hatte längst die Runde gemacht, dass das Land die LEG an den amerikanischen Immobilienfonds Whitehall verkauft.

"Whitehall ist ein bekannter internationaler Hedgefonds, dessen Management ausschließlich auf maximale Rendite aus ist. Mit allen Konsequenzen für die Mieter", meinte Bernhard von Grünberg, Hauptgeschäftsführer des Mietervereins Bonn/Rhein-Sieg, der bei dem Fest dabei war.

"Der Verkauf war ein Schock für uns", sagte ein Mieter, der seit mehr als 50 Jahren in der Siedlung wohnt und nicht mit Namen genannt werden wollte. "Die Mieten sind ja schon erhöht worden. Nach der Übernahme wird es sicher noch teurer. Wir fragen uns, wie lange wir hier noch wohnen können", sprach er die Sorgen vieler Mieter aus.

Irmgard Ciepa, Sprecherin der Mietergemeinschaft der Reutersiedlung, pflichtete ihm bei und sagte: "Wir haben auch Sorge, dass wir keine Ansprechpartner mehr haben. Mit der LEG lief die Zusammenarbeit bisher gut."

Der LEG-Verkauf sorgt für zusätzliche Unruhe, denn die Reutersiedlung, die unter Denkmalschutz steht und in der nach dem Krieg Abgeordnete wohnten, wird gerade aufwändig saniert. "Man macht sich schon Sorgen, dass die Sanierung gut über die Runden geht. Und jetzt auch noch das", sagte eine ältere Frau. Im Raum stand auch die Frage, ob Whitehall bald einzelne Wohnungen weiterverkaufen wird, wie von Grünberg befürchtet.

"Mit dem Kauf der LEG hat Whitehall viel Geld investiert. Da ist es doch offensichtlich, dass das Geld schnell wieder hereingeholt werden soll." Die LEG hat in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis rund 3 700 Wohnungen, unter anderem rund 800 Wohnungen in Medinghoven. Die Reutersiedlung besteht aus rund 400 Wohnungen. Ein Verkauf einzelner Wohnungen der Reutersiedlung sei besonders attraktiv, da sie zentrumsnah liegen, so der Geschäftsführer des Mietervereins.

Aber nicht alle Mieter sprachen sich gegen den neuen Eigentümer aus. "Wieso soll es denn schlecht laufen? Neue Besen kehren gut", sagte etwa Horst Eckstein, der seit 1970 dort wohnt, damals 80 Mark und heute 410 Euro für eine Dreizimmer-Wohnung zahlt. "Nur die Mieten sollten relativ stabil bleiben."