Lähmung überwinden

Kommentar

Was ist los in der Stadt - oder besser: mit dem Rat? Es scheint, als blockiere er die Entwicklung Bonns, vor allem in der Innenstadt. Seit Jahren, für Jahre. Einige Beispiele: Vor dem Bahnhof herrscht seit Jahren Stillstand.

Zwei Investoren wurden verprellt, neue sind nicht in Sicht. Hinter dem Bahnhof (Quantiusstraße) sollte ein moderner Bau entstehen für Stadtbücherei, Volkshochschule, Stadtmuseum und Gedenkstätte: aus der Schmuddelecke wäre ein Schmuckstück geworden.

Doch der Rat passte; stattdessen soll nun für zwölf Millionen Euro das Alte Stadthaus saniert werden, in dem aber nur Platz für VHS und Bücherei ist. Das Metropol, als Kulturstätte langfristig wirtschaftlich nicht zu betreiben, verkommt zusehend; für die Zustimmung zu einem Umbau auch unter denkmalrechtlichen Gesichtspunkten fehlte dem Rat der Mut.

Und gegen die Neugestaltung der Industriebrache an der Bornheimer-/Ellerstraße durch einen privaten Investor in ein attraktives Wohn-, Büro- und Geschäftsviertel haben sich ebenfalls Bedenkenträger zu Wort gemeldet.

Diese Entwicklung ist schädlich für die Stadt. Es ist längst an der Zeit, dass der Rat seine Lähmung überwindet und sich "frisches Denken" verordnet, um einen Werbeslogan zu zitieren. Nicht das Einknicken vor Partikularinteressen einiger weniger, nicht das ängstliche Schielen auf Wahltermine, nicht das Aushandeln fauler Kompromisse sind gefragt: Dem "Wohl der Stadt" sind die Stadtverordneten verpflichtet; darauf haben sie den Eid abgelegt.

Ätzend ist zudem die leidige Diskussion um die Bonner Bäder, für deren Sanierung neun Millionen Euro aus dem leeren Stadtsäckel ausgegeben werden sollen. Vielleicht ist die Initiative der LEG für die Neugestaltung des Viktoria-Karrees der Impuls für eine Kurskorrektur der bisherigen Rats-Strategie in Sachen Bäderkonzept und Haus der Bildung hinterm Bahnhof.

Denn der Plan (er wurde einst schon im Rathaus diskutiert) ist wegweisend: das Areal zwischen Uni und Rathaus rückt endlich eng an die City heran. Die Stadt verkauft das Viktoriabad und investiert das Geld in ein attraktives Freizeitbad. Und sie verkauft/vermietet die veralteten Gebäude von VHS und Stadtbücherei und etabliert sie samt Stadtmuseum und Gedenkstätte an der Quantiusstraße.

Dazu ist aber, wie seinerzeit beim Post-Tower, konsequenter Entscheidungswille notwendig. Den man derzeit im Rat vermisst. Leider.

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