Kindergarten in Röttgen

Kritik an fragwürdiger Kita-Werbung

Das Einzugsgebiet des Kindergartens Pusteblume umfasst überwiegend die Stadtteile Ückesdorf und Röttgen.

BONN. Für Kritik sorgt die Selbstbeschreibung des Röttgener Kindergartens Pusteblume auf der Homepage der Stadt Bonn. Dort heißt es im Kindergarten-Informationssystem, dass der Anteil alleinerziehender Eltern sowie von Migrantenfamilien "minimal" sei.

Der Ortsteil Röttgen, landschaftlich reizvoll am Kottenforst im Südwesten von Bonn gelegen, ist ein Ortsteil, der nicht gerade als Problemviertel verschrien ist. Hier wohnt man gut und unter Seinesgleichen. Und offensichtlich gibt es das ausgeprägte Bedürfnis, dass das auch so bleibt.

Im Kindergarten-Informationssystem (Kigan) der Stadt Bonn wird der städtische Kindergarten Pusteblume in Röttgen folgendermaßen beschrieben: "Die Kinder stammen fast ausschließlich aus Familien der Mittelschicht und gehobenen Mittelschicht. Die Zahl der alleinerziehenden Mütter und Väter ist, ebenso wie die der Familien mit Migrationshintergrund, minimal."

Diese Selbstbeschreibung stammt vom Kindergarten. Als Kigan 2009/2010 eingerichtet wurde, hätten die 54 städtischen Kindergartenleitungen Selbstdarstellungen ihrer Einrichtungen geschrieben, die über das Jugendamt in das System eingespeist wurden, so Bonns Familiendezernentin Angelika Maria Wahrheit.

Ihrer Meinung nach ist die Passage nicht tragbar. "Ich kannte diese Formulierung nicht. Sie diskriminiert Familien mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende, ich habe veranlasst, dass sie umgehend aus dem Kindergarteninformationssystem gelöscht wird", sagte Wahrheit. "Familien, die sich getroffen fühlen, bitte ich um Entschuldigung." Selbstverständlich nehme der Kindergarten Pusteblume auch Kinder aus Ein-Elternfamilien oder mit Migrationshintergrund auf. Für den Kindergarten würden die gleichen Kriterien gelten, wie für alle anderen städtischen Einrichtungen.

"Die Beschreibung der Kita kann so nicht stehen bleiben", sagte auch Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn. Durch die Beschreibung werde der Eindruck erweckt, dass zur gehobenen Mittelschicht keine Migrantenfamilien und Alleinerziehenden gehörten. Und dies werde positiv hervorgehoben. Laut Manemann offenbart diese Formulierung ein unhaltbares Selbstverständnis.

"Die Zusammensetzung der Gesellschaft ist eine andere, und damit muss sich heute jede Kita verantwortlich beschäftigen. Daher hilft ein solches Insel-Selbstverständnis letztlich keinem, abgesehen davon, dass es ausgrenzend wirkt", sagte Manemann. Die Gesellschaft sei heterogen und vielfältig, Kinder frühzeitig damit vertraut zu machen, sei wichtig. "Das gilt übrigens für alle Kitas", sagte Manemann.

Aus der Elternschaft heißt es, dass die Formulierung nicht bekannt gewesen sei. Sie sei nicht als Werbung, sondern als reine Feststellung zu verstehen, insofern sei sie überflüssig. Man müsse nicht zur gehobenen Mittelschicht gehören, um sein Kind im Kindergarten anmelden zu können, der Platz werde natürlich auch nicht nach diesen Kriterien vergeben. Tatsächlich sei es so, dass alleinerziehende Eltern bei der Platzvergabe bevorzugt würden.