Deutschland-Tour

Kolumbianer verweist deutschen Meister auf Platz zwei

Alvaro Hodeg (l) gewann den Schlussspurt vor Pascal Ackermann.

Alvaro Hodeg (l) gewann den Schlussspurt vor Pascal Ackermann.

BONN. Die erste Etappe der Deutschland-Tour von Koblenz nach Bonn ist am Donnerstagnachmittag zu Ende gegangen. Der Kolumbianer Alvaro Hodeg verwies den deutschen Meister Pascal Ackermann auf Platz zwei.

Am Ende waren es nur wenige Meter, die einen deutschen Erfolg auf der ersten Etappe der wiederbelebten Deutschland-Tour verhinderten. Anders gesagt: Die Sprintankunft auf der Bonner Adenauerallee war vielleicht zehn Meter zu lang. So aber musste sich der amtierende deutsche Meister Pascal Ackermann vom Team Bora-Hansgrohe mit Platz zwei begnügen. Im spannenden Schlussspurt der ersten Etappe über 157 Kilometer von Koblenz in die Bundesstadt war nur der Kolumbianer Alvaro Jose Hodeg (Quick-Step Floors) schneller als der 24-Jährige - weil er das deutsche Nachwuchstalent ganz kurz vor dem Ziel doch noch abfing.

Ackermann nahm die Niederlage sportlich hin, konnte seine Enttäuschung aber nicht verbergen: "Auf den letzten zehn Metern habe ich das Rennen verloren - das ärgert mich schon sehr." Der aus dem rheinland-pfälzischen Kandel stammende Profi zeigte sich dabei selbstkritisch, da er den Sprint sehr früh angezogen hatte und ihm so am Ende ein paar Körner zum Sieg fehlten. Nutznießer war der gerade einmal 21 Jahre alte Hodeg, im Team Quick-Step Floors Teamkollege der deutschen Rundfahrthoffnung Maximilian Schachmann. Der Kolumbianer trägt bei der zweiten Etappe am Freitag von Bonn nach Trier (196 Kilometer) somit auch das rote Trikot des Gesamtführenden und nahm bei der Siegerehrung die Glückwünsche von Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan entgegen.

"Mein Team war heute unglaublich", lobte Hodeg seine Quick-Step-Equipe. Erst zwei Minuten nach der Zieldurchfahrt habe er erfahren, dass er gewonnen habe. "Ich wusste es nicht, bis sie mir gesagt haben: 'Du hast gewonnen, du hast gewonnen'", erzählte das Sprinttalent, das seine erste Profisaison bestreitet.

Große Hoffnung bei den Fans

Vor und während der Etappe war die Hoffnung bei den heimischen Fans groß gewesen, dass ein deutscher Fahrer beim Comeback der Deutschland-Tour nach zehnjähriger Abstinenz auf der Adenauerallee triumphieren würde. Doch abgesehen von Ackermann war keiner der Hoffnungsträger an der Entscheidung beteiligt: Der Hürther Andre Greipel (Lotto-Soudal) kam auf Rang sechs ins Ziel, Rick Zabel (Katusha-Alpecin) wurde Neunter. Der in Rheinbach wohnende Lokalmatador Christian Knees (Sky) belegte Platz zwölf und lag damit einen Rang vor dem Kölner Nils Politt (Katusha-Alpecin). Extrem enttäuschend verlief das Rennen für Marcel Kittel, dem trotz aktueller Formschwäche Siegchancen eingeräumt worden waren: Der Sprinter vom Katusha-Team landete auf Rang 109.

Rund dreieinhalb Stunden vor der Ankunft auf der Adenauerallee hatte sich der 131 Fahrer starke Tross in Koblenz in Bewegung gesetzt und damit die erste Deutschland-Tour nach zehnjähriger Abstinenz offiziell eröffnet. Schnell löste sich eine sechsköpfige Ausreißergruppe aus dem Hauptfeld, zu der die beiden deutschen Fahrer Sven Reutter (Heizomat rad-net.de) und Dorian Lübbers (Lotto Kernhaus) gehörten. Das Sextett fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung von fast drei Minuten heraus, wurde aber vom Hauptfeld stets kontrolliert.

Etwas in den Vordergrund fuhr sich Reutter, der sowohl den Zwischensprint nach 25 Kilometern in Nassau als auch den bei Kilometer 108 in Neustadt/Wied für sich entschied und so zehn Sprintpunkte sammelte. Währenddessen hielt sich ein Fahrer, dem vor dem Start ein Großteil der Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, äußerst bedeckt: Tour-Sieger Geraint Thomas, Mannschaftskollege des Rheinbachers Christian Knees im Sky-Team, rollte im Hauptfeld unauffällig mit.

Attacke aus der Kurve heraus

Mit der Ruhe war es für den Waliser und den Rest aber allmählich bei Überfahren der Grenze zu Nordrhein-Westfalen vorbei: Die Teams mit starken Sprintern brachten sich immer mehr in Position und ließen den Vorsprung der Ausreißer schmelzen. Nachdem das Feld Drachenfels und Petersberg hinter sich gelassen hatten, betrug der Vorsprung der Führungsgruppe gerade mal noch eine Minute. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit zum erwarteten Massensprint in Bonn kommen würde.

Über Königswinter-Stieldorf rollten Thomas & Co. in Bonn ein und durchquerten die mit Zuschauern gesäumten Straßen in Beuel. Zu diesem Zeitpunkt war die anfängliche Ausreißergruppe zwar schon geschluckt, doch Sky-Akteur Luke Rowe startete aus einer Kurve heraus eine neue Attacke. Allerdings musste auch der Landsmann von Thomas seine Hoffnungen angesichts des unerbittlichen Pelotons begraben. Mit rasantem Tempo ging es über die Kennedybrücke und am Hofgarten vorbei auf die Schlussschleife auf der Adenauerallee. Lange war der Ausgang völlig offen, bis Ackermann die Initiative ergriff und den Spurt von vorne eröffnete. Zu früh, wie sich dann erwies.

Am Freitag startet die zweite Etappe vor dem Poppelsdorfer Schloss auf der Meckenheimer Allee. Um 10.40 Uhr setzt sich das Fahrerfeld Richtung Süden in Bewegung, der scharfe Start, nach dem attackiert werden darf, erfolgt in Röttgen. 196 Kilometer später wartet das Ziel in Trier. Vielleicht ja dann mit einem deutschen Sieger.