Koalition lässt Verkauf der Fähre prüfen

Gegründet hatten sie vor 102 Jahren die Stadt Godesberg und die Gemeinde Niederdollendorf, nun schicken sich die Bonner an, sie zu verkaufen. Die Rede ist von der Fähre, die schon Bundeskanzler Konrad Adenauer an seinen Arbeitsplatz und wieder nach Hause brachte.

Bad Godesberg. Gegründet hatten sie vor 102 Jahren die Stadt Godesberg und die Gemeinde Niederdollendorf, nun schicken sich die Bonner an, sie zu verkaufen. Die Rede ist von der Fähre, die schon Bundeskanzler Konrad Adenauer an seinen Arbeitsplatz und wieder nach Hause brachte.

Wegen der desolaten Haushaltslage hat die schwarz-grüne Koalition die Stadtverwaltung jetzt beauftragt, eine Privatisierung zu überprüfen. Oberste Prämisse dabei soll es sein, dass die Fähre im Wesentlichen unter den heutigen Bedingungen weiterfährt.

Bereits heute firmiert die Auto-Schnellfähre (ASF) Bad Godesberg-Niederdollendorf als GmbH. Gesellschafter sind jedoch ausschließlich die Stadt Bonn mit 74,81 und die Stadt Königswinter mit 25,19 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren hatten Reparaturen und Instandhaltung der beiden Fährschiffe "Konrad Adenauer" und "Sankt Christophorus II" zwei Millionen Euro verschlungen.

Die Fähre in Zahlen

Am 21. März 1908 wurde die Gründungsurkunde der heutigen GmbH unterschrieben. Seitdem kreuzt eine Schnellfähre zwischen Godesberg und Dollendorf den Rhein. Vorläufer hatte es bereits im frühen 18. Jahrhundert gegeben. Im vergangenen Jahr transportierten die beiden Fährschiffe "Konrad Adenauer" und "Sankt Christophorus II" 182 000 Kraftfahrzeuge, 96 000 Fahrräder und 300 000 Fußgänger über den Fluss. Die Schiffe sind 43 und 44 Jahre alt, gelten als reparaturanfällig und entsprechen nicht dem aktuellen Immissionsschutzgesetz.

Eigentlich soll der Aufsichtsrat deshalb im Januar über den Kauf einer neuen Fähre entscheiden, doch das kann er sich unter Umständen sparen. In diesem Falle blieben den Städten die Kosten für die Investition in Höhe von rund drei Millionen Euro, die ohnehin schon die vorliegende Liquiditätsplanung überschritten hätte, erspart.

Für die Politiker von CDU und Grünen sprechen aber auch noch andere Gründe für die Privatisierung: So ist die Zahl der Passagiere seit dem Regierungsumzug und dem Bau des Godesberger Straßentunnels erheblich gesunken. Zudem weist die Gesellschaft zum Ende des Geschäftsjahres 2009 bereits einen Verlustvortrag in Höhe von knapp 140 000 Euro auf, der von den städtischen Haushalten auszugleichen ist.

Weil zudem nur eine neue Fähre gebaut würde, fände der Betrieb künftig nur noch mit einem anstatt wie heute zu Spitzenzeiten mit zwei Schiffen statt. All das führt die Vertreter von CDU und Grünen zu der Erkenntnis, dass die kommunalen Zuschüsse in Zukunft erheblich steigen dürften und der Neubau einer Fähre in Eigenregie ein unnötiges Risiko für den Haushalt darstelle.

Während in Bonn also schon beraten wurde, werden die zuständigen Ratsgremien in Königswinter das Thema wohl erst im Februar auf dem Tisch vorfinden. Stadtkämmerer Ashok Sridharan, dem der Bonner Vorstoß bekannt ist, will die Fraktionen in den nächsten Tagen darüber informieren.

Er selbst steht der Idee zunächst einmal aufgeschlossen gegenüber: "Eine Privatisierung wäre auch in meinen Augen durchaus sinnvoll. Man kann ja in unserer unmittelbarer Nachbarschaft sehen, dass private Fährunternehmen auch ohne städtische Zuschüsse wirtschaftlich arbeiten können", sagt der Königswinterer Kämmerer Ashok Sridharan mit Blick auf andere Fährunternehmen.

Für die Fahrgäste soll sich bei einem Verkauf der Anteile möglichst wenig ändern, wie die Koalition als Bedingung postuliert hat: So soll notfalls vertraglich sichergestellt werden, dass der Fährbetrieb tagsüber in der Kernzeit zwischen 6.30 und 21 Uhr mit mindestens einem Fährschiff gewährleistet ist und die Beförderungstarife weitgehend beibehalten werden. Bis Ende Februar soll die Verwaltung berichten, wie die Chancen für eine Vermarktung stehen.