Kiosk am Bonner Bundeshaus muss dem Kongresszentrum weichen

<b>Am Haken:</b> Der Kiosk muss, ehe er auf den Schwertransporter gehievt wird, mit einem Stahlkorsett gesichert werden.

Riesenaufwand für ein kleines Denkmal - Das Objekt wird auf einen Schwertransporter gehievt, in ein Interimsquartier gebracht und in knapp zwei Jahren in der Nähe seines alten Standorts wieder aufgestellt

Bonn. Er ist eines der originellsten Objekte, die in der Denkmalliste stehen: knapp 20 Quadratemeter groß, gerade mal 49 Jahre alt und wahrlich keine Augenweide. Gleichwohl ist er eine "Besonderheit in Bonn", urteilt der damalige Stadtbaurat Sigurd Trommer.

Und dass ein Denkmal an den Haken genommen und zu einem Interimsquartier versetzt wird, um es später in der Nähe seines alten Standorts wieder abzusetzen, ist geradezu ein Novum. Das Objekt - es ist jener Kiosk am Bundeshaus, an dem einst Präsidenten, Kanzler, Minister, Volk und Volksvertreter ihre Zeitungen oder 'ne Bockwurst kauften: Er darf für sich in Anspruch nehmen, seinerzeit der berühmteste seiner Spezies gewesen zu sein.

"Translozierung" nennen Fachleute das, was am Mittwoch mit dem 51 Tonnen schweren Kiosk geschah: Nachdem Experten der württembergischen Firma JaKo das Denkmal zwischen Bodenplatte und Aufbau horizontal aufgeschnitten und es mit zwölf Stahlträgern - Gewicht: zwölf Tonnen - gesichert hatten, hob es um 13.28 Uhr ab: Maßarbeit. Nach zehn Minuten stand das insgesamt 63 Tonnen schwere Objekt auf dem Schwertransporter, der es in der Nacht zum Betriebshof der Firma Baumann nach Bornheim ins Zwischenlager brachte.

Das Kleinod, das immer noch den Nierentisch-Charme der fünfziger Jahre ausstrahlt und, weil Denkmal, nicht verändert werden darf, wird seit seinem Bau von der Familie Rausch betrieben. Zunächst stand Mutter Rausch hinter dem Mini-Tresen, seit 1984 ihr Sohn Jürgen. Schon mehrfach wollte der heute 60-Jährige den Kiosk "so richtig aufmöbeln" - doch der Bund als Eigentümer lehnte sein Ansinnen stets ab, zumal auf dem Areal ein Erweiterungsbau für den gegenüberliegenden Bundesrat geplant war.

Seit 1999, als sich seine Stammkundschaft gen Berlin aufmachte, liefen die Geschäfte "längst nicht mehr so gut". Jetzt hofft er auf das United Nations Congress Center (UNCC), das ab kommendem Monat auf dem Areal errichtet wird und Grund für die Versetzungsaktion ist, die dem UNCC-Investor SMI-Hyundai einen "sechsstelligen Betrag" wert ist.

Der Kiosk war nicht das einzige Gebäude, das 2000 auf die Denkmalschutzliste kam; auch die dahinter liegenden ehemaligen "Pressebaracken" sowie die angrenzende Villa Dahm (Parlamentarische Gesellschaft) und die drei Abgeordneten-Wohnhäuser an der Ecke Heussallee/Görresstraße sollten unangetastet bleiben. Nach langen Diskussionen wurden schließlich die Villa und die Pressehäuser doch abgerissen, um Platz zu schaffen für das Zukunftsprojekt der Stadt Bonn: das UNCC. In zwei Jahren bereits soll es mit einer großen UN-Konferenz eingeweiht werden.

An diesen Termin hält Young Ho Hong nach wie vor fest. "Wir liegen voll im Zeitplan", sagte der Architekt und Europachef von SMI Hyundai dem GA. Bereits vor wenigen Tagen habe man mit den Tiefbauarbeiten begonnen, und ab kommendem Monat werde der fast ein Kilometer lange Zaun rund um die Baugrube aufgestellt, der zur Bundeshausseite von Kindern bemalt wird.

Die 100-prozentige SMI Hyundai-Tochter UNCC GmbH - sie ist die Bauherrin des 140 Millionen Euro teuren Projekts - werde in Kürze den vollständigen Bauantrag vorlegen, sagte Hong, der die Zusammenarbeit mit dem Münchener Architektenbüro YES, das den Wettbewerb für das UNCC gewonnen hatte, als "gut" bezeichnete.