Rudi Schutz klagt gegen Stadt

Kein Platz auf dem Weihnachtsmarkt für Geislarer Schausteller

Geislar.  Die Stadt Bonn hat der bekannten Schaustellerfamilie aus Geislar zum ersten Mal nach fast 40 Jahren keinen Stand zugeteilt. Grund: Die Attraktivität des Imbiss-Stands soll nicht weihnachtlich genug sein. Daraufhin hat Schutz die Stadt Bonn vor dem Verwaltungsgericht Köln verklagt.
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Bonner Weihnachtsmarkt: Die Stadt hat 2011 Rudi Schutz aufgefordert, die Imbissbude von vorne mit Holz zu verkleiden. Er sagte den Umbau für 2012 zu.
											Foto: Privat

Bonner Weihnachtsmarkt: Die Stadt hat 2011 Rudi Schutz aufgefordert, die Imbissbude von vorne mit Holz zu verkleiden. Er sagte den Umbau für 2012 zu. Foto: Privat

Den Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln wird Rudi Schutz wohl nur als Besucher des Bonner Weihnachtsmarkts (23. November bis 23. Dezember) schnuppern können. Die Stadt Bonn hat der bekannten Schaustellerfamilie aus Geislar zum ersten Mal nach fast 40 Jahren keinen Stand zugeteilt. Grund: Die Attraktivität des Imbiss-Stands soll nicht weihnachtlich genug sein. Daraufhin hat Schutz die Stadt Bonn vor dem Verwaltungsgericht Köln verklagt.

Schutz fühlt sich zu Unrecht ausgebootet: "Bereits 2011 habe ich der Stadt zugesagt, dass ich ihrem Wunsch nach mehr weihnachtlicher Optik nachkommen werde. Persönlich bin ich allerdings der Meinung, dass wir den Imbiss schon bislang sehr ansprechend geschmückt haben. Außerdem haben wir im Vorjahr den Wettbewerb 'Beste Wurst des Markts' gewonnen."

Die Stadt Bonn will zur Nichtberücksichtigung des 41-Jährigen keine Stellungnahme abgeben. Marktmeister Günter Dick sagte nur soviel: "Das ist ein schwebendes Verfahren. Deshalb werde ich mich nicht dazu äußern." Die Stadt sei schon öfter wegen solcher Fälle verklagt worden, habe aber bislang alle Prozesse gewonnen, so Dick.

Vor drei Jahren gab es in Bonn einen ähnlichen Fall: Der Pützchener Schausteller Heinz Fußhöller erhielt für den Weihnachtsmarkt 2010 keine Zulassung. Der Grund war der gleiche: nicht attraktiv genug. Auch Fußhöller verklagte die Stadt und verlor. Pikant ist jetzt: Nach der beim Gericht beantragten Akteneinsicht steht fest, dass Schutz im Losverfahren gegen Fußhöller verloren hat. Letzterer darf nach zweijähriger Abwesenheit wieder einen Imbiss-Stand auf dem Weihnachtsmarkt eröffnen.

"Ein sechsköpfiges Gremium entscheidet über die Vergabe der Stände. Fünf sogenannte Voll-Imbisse sind für den Bonner Weihnachtsmarkt zugelassen. Vier Plätze waren vergeben an die Schaustellerfamilien Barth, Markmann und Hölzgen sowie an meine Tante, Anita Schutz. Bei dem letzten Platz konnte sich die Jury nicht zwischen den Bewerbern Fußhöller und Schutz entscheiden. Das Los entschied zugunsten Fußhöllers."

Nun hofft Schutz, dass die Stadt vom Gericht aufgefordert wird, ihm einen zusätzlichen Platz anzubieten. "All' die Jahre habe ich einen guten Kontakt zur Stadt. Ich hatte aber jetzt keine andere Wahl, als vors Gericht zu ziehen. Ohne die Einnahmen vom Bonner Weihnachtsmarkt können wir nicht existieren. Danach sind wir drei Monate ohne Einkommen, weil die Saison erst wieder im Frühjahr startet", betont Schutz. Um sich für einen Weihnachtsmarkt in einer anderen Stadt zu bewerben, sei es jetzt zu spät. Alle Plätze seien vergeben.

Gerichtsverfahren

Wie der Pressesprecher des Kölner Verwaltungsgerichts, Raimund Schommertz, gegenüber dem GA bestätigte, sind zur Zeit bei der 1. Kammer zwei Verfahren in der Sache Rudi Schutz gegen die Stadt Bonn anhängig: Der Marktbeschicker hat am 22. August außer einem Hauptsacheverfahren (Aktenzeichen 1 K 4893/12) noch eine Entscheidung im Eilverfahren (Aktenzeichen 1 L 1072/12) beantragt, da Hauptsacheverfahren im Schnitt neun Monate dauern.

Und dann wäre der Weihnachtsmarkt 2012 schon vorbei. Dort aber will Schutz in diesem Jahr wieder stehen mit seinem Imbissstand wie all die Jahre zuvo. Und dass er im Losverfahren der Stadt gegen einen angeblich gleichwertigen Bewerber verloren hat, will er nicht akzeptieren. Sein Argument vor dem Verwaltungsgericht: Der Mitbewerber sei nicht gleichwertig, denn sein eigener Stand sei attraktiver. Wann entschieden wird, ist laut Gerichtssprecher noch ungewiss. (rik)

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