Kaufvertrag der Villa Friede ist "notleidend"

Immobilienfirma bleibt vereinbarten Preis für das Gebäude schuldig - Jetzt könnte der Vertrag aufgelöst werden und der zweite Bieter zum Zuge kommen - Ortsausschuss schöpft neue Hoffnung

Bad Godesberg-Mehlem. Villa Friede und kein Ende - in den letzten Jahren stand die Frage, wie es mit dem Gebäude weitergeht, immer ganz oben auf der Agenda des Mehlemer Ortsausschusses. So auch 2006. Im Sommer verkaufte die Stadt Bonn als Eigentümerin das Gebäude, das der Ortsausschuss gepachtet hatte, an eine Brühler Immobilienfirma.

Elke Geining, die Ortsausschussvorsitzende, stuft das in ihrer Jahresbilanz als "gravierendstes Ereignis" in 2006 ein. Denn die Mehlemer Vereine, die seit Jahrzehnten den großen Saal der Villa als Übungs- und Versammlungssaal genutzt hatten, verloren ihre Heimat.

Der neue Besitzer wollte das rund 100 Jahre alte Gebäude zu einem Reha-Zentrum umbauen. Eine Nutzung des Saales durch Vereine, sagt Geining, sei nicht vorgesehen gewesen. Die Vereine mussten sich somit nach Ausweichquartieren umsehen. So probt etwa der Quartettverein mittlerweile im Pfarrheim, und die KG Rot-Weiße i-Pünktchen trainiert im Haus der Evangelischen Frauenhilfe.

Schien das Kapitel Villa Friede für den Ortsausschuss damit abgeschlossen, so hat die Geschichte vor kurzem eine überraschende Wendung genommen. Der Verkauf an den Interessenten stehe "zwischenzeitlich wieder in Frage", berichtet Elke Geining.

Eine Nachfrage bei der Stadt bestätigt das. Elke Palm vom Presseamt lässt sich jedoch nicht mehr als die verklausulierte Formulierung entlocken, der Vertrag sei "notleidend" geworden. Mit dem Fachbegriff aus dem Vokabular der Vertragsjuristen ist gemeint, dass ein Käufer innerhalb einer bestimmten Frist den Kaufbetrag nicht hat aufbringen können. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, den Vertrag aufzulösen und das Objekt dem zweiten Interessenten aus dem Bieterverfahren anzubieten.

Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. In der Sitzung der Bad Godesberger Bezirksvertretung am Mittwoch steht jedenfalls im nicht-öffentlichen Teil wieder einmal die "Veräußerung der Villa Friede" auf der Tagesordnung. Bei Elke Geining keimt nun Hoffnung auf, dass ein neuer Eigentümer den Vereinen wieder ein Bleiberecht einräumen wird.

Optimistisch in die Zukunft blickt die OA-Vorsitzende auch deshalb, weil "belastende Vorgänge aus der Vergangenheit zum Abschluss" gebracht werden konnten. So erließ die Stadt dem Ortsausschuss die noch ausstehenden Pachtzahlungen für die Villa Friede in Höhe von rund 7000 Euro. Und auch der Rechtsstreit wegen der in mangelhafter Druckqualität gelieferten Festschrift zum 1200-Jahr-Jubiläum konnte beigelegt werden.

Kein Erfolg hingegen war dem Projekt "Stromkasten auf dem Dorfplatz" beschieden - vorläufig. Die Kosten für die Installation sollte das Dorffest einspielen, was aber nicht in ausreichendem Maße gelang. Elke Geining ist jetzt mit einem Sponsor im Gespräch und hofft, dass das Vorhaben in 2007 umgesetzt werden kann.

Für dieses Jahr plant die OA-Vorsitzende die Wiederbelebung der Bürgerforen und die Durchführung von Spaziergängen durch Mehlem. Die ortsgeschichtlichen Rundgänge sollen Themen wie "Villen in Mehlem" oder "Naturschutz vom Rhein bis zum Rodderberg" behandeln.

Mit Sorge betrachtet Elke Geining die immer intensivere Belegung von Sozialwohnungen in Mehlem mit ausländischen Mitbürgern. Dadurch werde einer Ghettobildung Vorschub geleistet.