Kantor lässt die Vögel zwitschern

Nicht nur die Töne der Orgel versetzen die Zuhörer in besondere Stimmung, sondern auch der Kerzenschein.

BAD GODESBERG. Candlelight, also stimmungsvoller Kerzenschein, war jetzt in St. Marien angesagt, als Seelsorgebereichsmusiker Joachim Sarwas sein 15. Orgelkonzert dieser Reihe gab. Und Godesbergs katholische Stadtkirche war lange nicht mehr so voll, so strömten nicht nur Mitglieder der Gemeinde St. Marien und St. Servatius ins Gotteshaus.

"Heitere und besinnliche Orgelmusik von Komponisten des 18. bis 20. Jahrhunderts aus England, Amerika und Deutschland" hatte der 53-jährige Kantor aufs Programm gesetzt. Majestätisch schön erklangen schon mal die Klassiker, etwa einige "Tochter Zion"-Variationen von Ludwig van Beethoven.

Und wer jetzt Bange hatte, sich bei den Zeitgenossen die Ohren zuhalten zu müssen, wie Zuhörer Rudolf Schlorz hernach scherzte, der lernte bei dem Mann an der Klais-Orgel die ganze Bandbreite moderner, aber in vollkommen harmonischer Art komponierender Musiker kennen, in einem Stil also, den Sarwas auch bei seinen eigenen Kompositionen pflegt.

Stilsicher hatte er mit Georg Friedrich Händels "Kuckuck und die Nachtigall" schon ein Grundmotiv des Abends gesetzt. Während draußen gerade der erste Nachtfrost des Winters zu spüren war, ließ Sarwas in St. Marien munter die Vögel zwitschern. Viel Freude machten dem Publikum in den Kirchenbänken dabei besonders die Tierliedervariationen über das Volkslied von der "Vogelhochzeit".

"Ein Vogel wollte Hochzeit machen" erklang aus der Feder des 1963 geborenen Jürgen Borstelmann in Sarwas' Interpretation nun aus jeweils anderer Perspektive: Einmal schien die Nachtigall den Taktstock zu halten, dann Vogel Strauss, auch der Hahn und andere gefiederte Gesellen. Sensibel arbeitete der Kantor hier die speziellen Färbungen der Tierstimmen heraus.

Freunde der Programmmusik kamen auf ihre Kosten, als die "Alpenfantasie und Sturm" des Amerikaners Isaac van Vleck Flagler den Sturm und Donner vor und nach einem Unwetter tonmalerisch ausdeutete. Dann kann Joachim Sarwas ja auch Jazz und Swing und Samba auf der Orgel. Geschickt schöpfte er die Register des hervorragenden Instruments in St. Marien aus.

"Unser Kantor ist ja immer für flotte Tempi", kommentierte Rudolf Schlorz, der vom Kirchenchor den Stil des Musikers kennt. Dieser Candlelight-Abend sei wieder ein Meisterkurs gewesen, meinte Schlorz, nachdem Sarwas zum Abschluss des Konzerts mit der Komposition "Fountain Reverie" zum Träumen am Brunnen inspiriert und schließlich seine Zuhörer mit der "Festival Toccata" Percy Fletchers entlassen hatte.