Kanalsanierung: Banken bieten spezielle Programme

"So eine Kanalsanierung auf dem eigenen Grundstück kann leicht vierstellige Summen kosten, was für manche ältere und allein lebende Bürger, die in ihrem kleinen Eigenheim wohnen, nur schwer aufzubringen ist", weiß der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg.

Bonn. (kf/val) "So eine Kanalsanierung auf dem eigenen Grundstück kann leicht vierstellige Summen kosten, was für manche ältere und allein lebende Bürger, die in ihrem kleinen Eigenheim wohnen, nur schwer aufzubringen ist", weiß der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg.

"Diese Härten will die Landesregierung abfedern." Was ganz im Sinne des Bonner Stadtrats ist, der in seiner jüngsten Sitzung auf Initiative der SPD-Fraktion im Zusammenhang mit der Fristverlängerung für die Kanaldichtheitsprüfung auch Härtefallregelungen für den Fall einer nötigen Sanierung erörterte. Und die scheint eher die Regel als die Ausnahme zu sein, wie Kanalbauer dem GA schildern.

Vielen Grundstückseigentümern graust es vor diesem Sanierungsfall. Der tritt dann ein, wenn der Dichtheitsnachweis zeigt, dass die Abwasserleitungen auf dem Privatgrundstück defekt sind. Gerade bei älteren Leitungen aus Steinzeug ist dies häufig der Fall, "deren Schwachstelle sind in der Regel die verrotteten Dichtungen zwischen den Abflussrohren", weiß Straßenbaumeister Sascha Stommel, zertifizierter Kanalprüfer aus Lindlar.

Zertifizierte Prüfer Die Prüfung des privaten Abwasserkanals muss ein zertifizierter Kanalbauunternehmer durchführen, ansonsten wird der Prüfungs-Nachweis von der Kommune nicht anerkannt. Eine Liste mit zertifizierten Prüfern gibt es unter www.sadipa.it.nrw.de/Sadipa. Das Umweltministerium warnt in den Zusammenhang vor so genannten Kanalhaien, Unternehmen also, die kein Zertifikat haben.

"Ab den 70er Jahren wurden in der Regel PVC-Leitungen verbaut, und die sind stabiler als die bis dahin verwendeten Abflussleitungen aus Steinzeug." Dennoch sind viele Leitungen sanierungsbedürftig: "Von den 500, die wir voriges Jahr überprüft haben, waren nur 13 dicht", so Stommel. Und je länger die Leitungen auf dem privaten Grundstück desto teurer die Sanierung: "Im Schnitt betragen die Sanierungskosten 8 000 bis 10 000 Euro."

Weil solche Summen finanzschwache Haushalte schnell in den Ruin treiben können, gibt es nicht nur zinsgünstige Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (01 80/1 33 55 77, Festnetzanruf kostet 3,9 Cent/Minute, www.kfw.de) und ein Förderprogramm der NRW-Bank (Infos dazu erteilt die Stadt Bonn unter (02 28) 77 22 66 und 77 22 88).

Es gibt auch eine Härtefallregelung, der der Stadtrat jetzt auf Initiative der SPD ebenfalls zugestimmt hat. So kann die Frist für die Sanierung, die normalerweise innerhalb von zwei Jahren geschehen muss, unter gewissen Bedingungen verlängert werden (auch dazu erteilt die Stadt Bonn genauere Infos unter den beiden oben genannten Telefonnummern). Prüfen müssen und sollten die Grundstückseigentümer in dem Zusammenhang, ob der Schaden nicht von ihrer Gebäudeversicherung abgedeckt wird.

Bei älteren Verträgen aus der Zeit vor 1980 könnten Schäden an privaten Abwasserleitungen außerhalb des Wohngebäudes noch mit versichert sein. "Bei uns allerdings musste man auch früher schon einen solchen Schadensfall zusätzlich mit versichern", sagt Claus Weiland von der HUK Coburg. Wer sich nachträglich bei Schäden am privaten Abwasserkanal versichern will, der müsse eine Zusatzvereinbarung abschließen.

"Dazu prüfen die Versicherungen aber bei Leitungen, die älter als fünf Jahre sind, ob sie auch in Ordnung sind", so Weiland. Im Klartext: Es wird eine Kanalprüfung notwendig. Außerdem kostet die Ausweitung des Versicherungsschutzes bares Geld. Und: Die Versicherung zahlt im Schadenfall auch nur bis zu einer gewissen Höhe.

"Bei der HUK liegt die Obergrenze bei 5 000 Euro." Zudem zahlen die Versicherungen nicht in jedem Fall: "Es ist ratsam, sich die Bedingungen genau anzuschauen", so Weiland. Standard seien Frost- und Bruchschäden an den Leitungen. Kosten für Reparaturen an Rohren, die durch Wurzeln oder an Verbindungsstücken entstehen, werden unter Umständen von der Versicherung nicht übernommen. Also: Wer hofft, über seine Gebäudeversicherung seinen Kanal sanieren zu können, könnte enttäuscht werden.

Natürlich sichern sich die Versicherungen gegen ein solches Vorgehen ihrer Kunden ab. Aus Angst vor teuren Schadenfällen versuchen nach GA-Informationen manche Versicherungsunternehmen derzeit sogar, bei älteren Kunden Verträge umzuwandeln, die noch Schäden an Abwasserleitungen mit abdecken. Ein Insider rät daher, sich die Konditionen seines Altvertrags genau anzuschauen.