Polizei ermittelt wegen Tierquälerei

Jugendliche verbrennen Igel

Lessenich.  Eine schockierende Entdeckung machte Hans-Josef Kaspers in dieser Woche hinter dem Haus Roncallistraße 43: Dort haben offensichtlich Jugendliche einen lebenden Igel verbrannt.
Diese Situation fanden die Anwohner am Montagmorgen vor, auf dem Stuhl liegt der tote Igel, darunter ist die Feuerstelle. Repro: GA

Zunächst fiel dem Elektrotechniker nichts Besonderes auf, er fand die üblichen Verwüstungen vor, die er aber diesmal fotografierte. Offensichtlich hatten die Täter unter einem Gartenstuhl ein Feuer gemacht. Erst einen Tag später stellte er fest, dass ein undefinierbares Knäuel, das am Vortag noch auf dem Stuhl gelegen hatte, verschwunden war. Kaspers sah sich die Sache genauer an, und fand das "Knäuel" in eine Lampe geklemmt: es war der verkohlte Kadaver eines Igels.

"Mittlerweile liegt das Tier in einem Kellerloch, das ist einfach ungeheuerlich", sagt Kaspers. "Eine Mitarbeiterin war so geschockt, dass sie weinte, was geht in denen vor, die so etwas machen?", so Kaspers weiter.

Der Platz rund um das Haus ist als Treffpunkt für Jugendliche bekannt, die dort reichlich Müll hinterlassen. Die Anwohner würden sich laut Kaspers regelmäßig beschweren, unter anderem aber aus Angst um ihre Autos nicht konsequent dagegen vorgehen. "Wenn wir die Polizei anrufen, werden wir gefragt, was die Jugendlichen denn da machen. Solange nichts passiert, sehen die Beamten keinen Handlungsbedarf", sagte Kaspers. Er selbst hat keine Anzeige erstattet.

Und nach Angaben der Polizei liegt bislang auch keine vor. Sie bestätigt, dass der Platz ein Treffpunkt für Jugendliche ist, die dort auch Müll hinterlassen, Beschwerden von Anwohnern gebe es auch. "Ausdrücklich verneint" die Polizei aber, dass es sich bei dem Treffpunkt um einen Kriminalitätsschwerpunkt handelt. "Wir wissen, dass dort ein Treffpunkt für Jugendliche ist und haben den Ort deswegen auch im Blick", sagt Polizeisprecher Christoph Schnur. "Die Polizei ermittelt wegen Tierquälerei", so Schnur weiter. In diesem Fall handle es sich um ein sogenanntes Offizialdelikt, das heißt, wenn die Polizei davon Kenntnis hat, muss sie ermitteln, unabhängig davon, ob eine Anzeige vorliegt (Antragsdelikt).

Wilfried Klein, SPD-Stadtverordneter für Dransdorf, Lessenich und Meßdorf, ist betroffen von dem Vorfall. "Die Situation, dass dieser nicht einsehbare Bereich ein Treffpunkt ist, ist ja leider Gottes bekannt", so Klein. Der aktuelle Vorfall habe aber "eine neue Qualität". Es habe unter anderem Gespräche mit dem Jugendamt gegeben. "Alle, die wir ansprechen, sagen, sie hätten die Situation unter Beobachtung".

Laut dem Stadtordnungsdienstleiter Harald Borchert gab es im betreffenden Bereich nur zwei Einsätze, die teilweise schon länger zurückliegen. "Wir werden dort aber in den nächsten Tagen einmal verstärkt kontrollieren", kündigt Borchert an.

Der jüngste Zwischenfall ereignete sich am Donnerstagabend. Unbekannte schlugen Kaspers die Haustüre ein. Drei Jugendliche seien daraufhin von der Polizei mitgenommen worden, so Kaspers. Er hat Anzeige erstattet.

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