Joachim Stamps Herz schlägt für Röttgen

Ein guter Tag fängt für den NRW-FDP-Generalsekretär mit einer Tasse Kaffee an. Allerdings nur, wenn der FDP-Ratsherr Arm in Arm mit seiner Tochter Franziska am Frühstückstisch sitzt.

Bonn. Ein guter Tag fängt für Joachim Stamp mit einer Tasse Kaffee an. Allerdings nur, wenn der FDP-Ratsherr Arm in Arm mit seiner Tochter Franziska am Frühstückstisch sitzt. Und die Zweijährige genüsslich an ihrem Glas Milch nuckelt.

Dann ist alles Nebensache: die kommunalpolitische Arbeit, die Verantwortung, die er trägt, seit FDP-Landeschef Andreas Pinkwart ihn gefragt hat, ob er Generalsekretär der NRW-FDP werden möchte. Dann schaltet der 39-Jährige ab - um im Anschluss wieder voll durchzustarten.

Und das nicht nur in der Politik. Denn obwohl diese ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben ist - "ich bin ja mittlerweile 22 Jahre dabei" - gibt es viel mehr, was den 39-Jährigen zu dem macht, was er ist. Da wäre zum einen seine Ehefrau, die ihm bislang den heiß ersehnten Flachbildfernseher verweigert. "Wir haben abgesprochen, dass der erst kommt, wenn ich mit meiner Dissertation fertig bin", so Stamp mit einem wehmütigen Blick auf seine "zehn oder elf Jahre alte Möhre".

Lange kämpfen muss er nicht mehr. Nicht nur, dass die Dissertation im Studienfach Politikwissenschaft so gut wie fertig ist, "meine Frau findet den kleinen Fernseher mittlerweile auch doof", sagt der Röttgener, der im Carl-von-Ossietzky-Gymnasium die Schulbank gedrückt hat, und lächelt.

Das verschmitzte Lächeln ist aus dem Gesicht des 39-Jährigen mit den blonden Haaren ohnehin nicht wegzudenken. Zum Beispiel wenn es um Fußball geht. Sein Herz schlägt - wie könnte es anders sein - für Rot-Weiß Röttgen. Auch wenn der Verein nicht der Grund war, dass die kleine Familie an die Heidegartenstraße gezogen ist, bietet die Wohnung doch einen immensen Vorteil: Vom Wohnzimmer aus schaut man direkt auf den Sportplatz.

"Im Moment hab ich leider wenig Zeit, um mir die Spiele anzusehen", sagt Stamp, der bis 2004 in Röttgen gekickt hat. "Wenn möglich, machen wir sonntags nach dem Gottesdienst einen kleinen Ausflug zum Sportplatz." Einmal wird er noch im Trikot der Röttgener auflaufen. Das haben ihm die Mannschaftskameraden, die mittlerweile in die B-Liga aufgestiegen sind, versprochen. "Ich hab's nämlich immer nur bis zur C-Liga gebracht."

Einen nicht unerheblichen Teil seines Lebens macht die Musik aus. "Als Sohn einer Kirchenmusikerin ist das wohl auch nicht verwunderlich", so Stamp, der mit Mozart, Bach und Haydn groß geworden ist. Später kamen Bands wie Slade, A-ha und die Ärzte dazu.

Außerdem versuchte sich der Röttgener selbst als Musiker - am Klavier und am Schlagzeug. Mit 14 gründete er mit drei Freunden eine eigene Band. In Zeiten der Neuen Deutschen Welle nannten sie sich "Blumenkohl". "Später fanden wir das uncool und haben uns umbenannt - in cauliflower, zu deutsch: Blumenkohl." Der Karriere hat es nicht geholfen: "Wir hatten nur vier Auftritte, hatten sogar Tour-T-Shirts. Insgesamt waren wir aber einfach zu schlecht."

Ansonsten liest der 39-Jährige sehr gerne. Zurzeit liegen zwei Bücher auf seinem Nachttisch: "Nachtzug nach Lissabon" und "Fever Pitch". Fest gelegt ist er allerdings nicht. "Ich lese gemischt, teilweise auch fachliche Sachen." Doch auch dafür bleibt neben der Politik wenig Zeit.

Abschalten kann Stamp trotzdem - am Frühstückstisch. Mit seiner zweijährigen Tochter Franziska, einer Tasse Kaffee und einem Glas Milch. Ab Juli wird aus dem Vater-Tochter-Duo ein Trio. Dann nämlich sitzt der jüngste Nachwuchs mit am Tisch. Und die nächste Tochter genießt ihre Milch in Papas Arm - für den auf einmal alles zur Nebensache wird.

Zur Person Joachim Stamp arbeitete bis zur Elternzeit bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, freiberuflich ist er für eine Kölner Agentur tätig. Bei der Kommunalwahl 2004 gewann der 39-Jährige seinen Wahlbezirk Röttgen/Ückesdorf mit mehr als 43 Prozent, 2009 bekam er 67,6 Prozent. Seit Ende Februar ist der ehemalige Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen NRW-FDP-Generalsekretär und kandidiert für den Landtag. Trotz allem will er im Bonner Stadtrat bleiben und sich weiterhin für Röttgen einsetzen.