Opernfusion zwischen Bonn und Köln

Jürgen Nimptsch lässt Kultur-Kooperation prüfen

BONN. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch verteidigt seinen Vorschlag, die Opernhäuser Köln und Bonn zusammenzulegen. Unterdessen bekommt er den Zorn von Kölns Opernintendant Uwe Eric Laufenberg zu spüren. Nimptsch gehöre zu den "Maulhelden, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben", so Laufenberg.

Bonn und Köln lassen eine Fusion ihrer Opernhäuser prüfen. "Meine Kölner Kollege Jürgen Roters und ich gehen davon aus, dass wir Ende dieses Jahres ein belastbares Papier haben, auf dessen Grundlage man dann tatsächlich strategische Planungen einleitet, die sich über sieben bis zehn Jahre erstrecken werden", sagte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im Gespräch mit dem GA.

Er sei sich im Klaren, dass er sich damit "nicht nur Freunde" mache, verteidigt Nimptsch seinen Vorstoß, über den er kürzlich einen Essay schrieb und auf der Internetseite der Stadt veröffentlichte. "Das ist jetzt Chefsache und wird von oben gesteuert. Schauen wir mal, wo wir landen", sagte Nimptsch.

Sein Vorstoß ist kaum raus, da gibt es schon eine Watsche aus der Domstadt: Kölns Opernintendant Uwe Eric Laufenberg wirft dem Bonner OB über den Kölner Stadt-Anzeiger vor, er habe "von Tuten und Blasen keine Ahnung". Nimptsch antwortet mit einem Brief: Er dankt Laufenberg für ein kürzlich in Bonn geführtes Gespräch, in dem Laufenberg seine Bereitschaft geäußert habe, "als gemeinsamer Intendant für die Oper Köln und Bonn zur Verfügung zu stehen und die beiden Häuser zusammenzuführen". Alles also nur eine Retourkutsche?

Wie auch immer, der Bonner OB begründet seine Initiative mit der "Sorge, ob wir die Qualität, die wir in der Oper heute haben, in zehn Jahren noch halten können". Es werde ohnehin große Anstrengungen kosten, in den kommenden zehn Jahren zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen.

Die Kultur müsse, wie andere Haushaltsbereiche auch, einen Sparbeitrag leisten, wenn das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts erreicht werden soll, so Nimptsch weiter. Es sei ja bekannt, dass dieser Bereich mit einem Anteil von 6,8 Prozent des Haushalts im Vergleich zu anderen Kommunen "eine Spitzenposition einnimmt, während wir in anderen Bereichen eher hintanstehen. Da ist etwa der berühmte Vergleich von Kultur und Sport, aber der ist auch zulässig.

Bei der Kultur sind wir im Spitzenbereich, beim Sport eher im Bereich der roten Laterne". Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass der Bund und der Landschaftsverband für ihre drei Museen noch einmal etwa 40 Millionen Euro für die Kultur zur Verfügung stellen, so dass derzeit die für eine Kommune mit 320.000 Einwohnern höchst ungewöhnliche Gesamtsumme von fast 100 Millionen Euro für den Kulturbereich zur Verfügung stehe.

Auf die Frage, ob ein im Internet veröffentlichter Essay der richtige Weg sei, sagte Nimptsch, er habe vor der Diskussion um ein neues Kulturkonzept darauf hingewiesen, dass die Kultur nicht so tun dürfe, als könne sie die nächsten Jahre mit weiteren Zuwächsen rechnen. Seine Vorstellungen habe er der Kulturkommission mitgeteilt, "aber meine Signale verhallten", sagte Nimptsch.

"Als ich das Ergebnis aus den Runden Tischen zur Kultur sah, habe ich gewusst, dass jetzt die Phase folgt, in der über das Kulturkonzept der Stadt diskutiert wird. Und da hinein musst du den Impuls noch mal kräftiger setzen, dann auch in der Form, wie ich's gemacht habe, sonst verhallt das wieder." Ein "kassenwirksames Ergebnis" einer Opernfusion erwarte er in sieben bis zehn Jahren. Nach wie vor gelte sein Versprechen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde: "Also kann es Veränderungsprozesse nur geben im Rahmen der demografischen Entwicklung und der Betrachtung, wo Stellen nicht wieder neu besetzt werden."

Roters und er hätten vereinbart, dass "wir in einem abgestimmten Verfahren unsere Kulturverwaltungen mit sehr klaren Aufträgen versehen, damit man auch erkennen kann, wie die Landschaft der Oper 2017 bis 2020 aussehen könnte, wenn für beide Häuser, die Dachmarke Rheinische Oper Köln-Bonn, 40 Millionen Euro zur Verfügung stehen würden."

Kölns Stadtsprecher Gregor Timmer sagte: "Wir sind aber nicht auf Bonn festgelegt. Es gibt ja auch ein Angebot aus Düsseldorf." Man sei "gerne zu Gesprächen mit Bonn bereit, aber es muss ein ernsthaftes Signal von dort geben."

Reaktionen auf den OB-Vorstoß

  • Markus Schuck (CDU): "Man kann auch Unsinn prüfen. Wir wollen auch in Zukunft eine selbstbewusste Bonner Kulturregion."
     
  • Wilfried Löbach (FDP): "Das Beispiel aus anderen Städten zeigt, dass solch eine Fusion finanziell überhaupt nichts bringt."
     
  • Bärbel Richter (SPD): "Es ist ja grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, über Kooperationen nachzudenken. Die Frage ist, ob das kleine Bonn dann nicht unter dem großen Köln verschwindet."
     
  • Gisela Mengelberg (Grüne): "Der OB-Essay war für die Kulturkommission ein Schlag ins Gesicht. Ich habe Bedenken, ob eine Opernfusion mit Köln auf Augenhöhe geschehen kann."
     
  • Jürgen Repschläger (Linke): "Eine Datenerhebung finde ich grundsätzlich in Ordnung. Dann hat man wenigstens auch eine Diskussionsgrundlage. Aber der OB sollte nicht weiter den Kulturdezernenten mit seinen Vorstößen brüskieren."
     
  • Bernhard Wimmer (Bürger Bund): "Ich habe nichts gegen eine Prüfung, wenn man Wege findet, die Bonn qualitativ und quantitativ nicht benachteiligen."