Investor will Stadtvillen mit 65 Wohnungen am Rüngsdorfer Rheinufer bauen

Zehn Jahre nach Umzug der französischen Botschaft rückt Lösung für 9 000 Quadratmeter großes Areal näher

Rüngsdorf. Im Herbst 1998 wurde die Trikolore eingerollt, seitdem wird der fortschreitende Verfall der ehemaligen Französischen Botschaft am Rüngsdorfer Rheinufer allenfalls durch unaufhaltsam wucherndes Gestrüpp cachiert.

Doch jetzt, knapp zehn Jahre nachdem der letzte Diplomat das Licht ausmachte und Richtung Berlin entschwand, kehrt Leben auf das weitläufige Gelände zurück. Der Abriss ist besiegelt, der Bau von 65 neuen Wohnungen scheint nur noch eine Frage der Zeit. Dabei deutete bereits vor drei Jahren alles auf eine vielversprechende Wende im Fall der letzten großen Botschaft am Rhein hin.

"Wir haben gekauft", teilte am 1. September 2005 eine Mitarbeiterin der Stuttgarter Projekt- und Entwicklungsgesellschaft SEPA nach zähen Verhandlungen mit den Franzosen mit. Acht Monate später fiel der Denkmalschutz, und mit der Abbruchgenehmigung von der Stadt Bonn schien der Weg für eine neue Nutzung buchstäblich geebnet.

Doch das Gestrüpp wucherte weiter, während 300 Meter rheinaufwärts der kulinarische Ableger der Botschaft, das "Cercle Français", längst dem Erdboden gleich gemacht war. Was fehlte, war Planungsrecht, und ohne das läuft nichts.

Dass das benötigte "vorhabenbezogene Bebauungsplanverfahren" erst in diesen Tagen in seine Endphase tritt, ist unter anderem erheblichen Vorbehalten der Bad Godesberger Kommunalpolitik und massiven Einwänden der Rüngsdorfer gegen die ihrer Ansicht nach zu massiven Baukörper zu verdanken. Ursprünglich hatte Sepa 70 Wohneinheiten geplant, zum Teil untergebracht in bis zu 36 Meter langen, dreieinhalbgeschossigen Komplexen.

Ein Kompromiss zwischen Investor und Stadt Bonn soll es jetzt richten: Fünf Wohnungen sind gestrichen, und die Baukörper in Höhe und Breite samt ihrer Sichtbehinderung aufs Siebengebirge entscheidend "minimiert", wie das federführende Kataster- und Vermessungsamt erklärt.

Wenn am Mittwoch die Bad Godesberger Bezirksvertretung und in der Folge der Rat der Stadt Bonn am 2. September dem Vorschlag zustimmen, geht der Bebauungsplan in die öffentliche Auslegung und hilft dem Projekt entscheidend auf die Sprünge. Etwa 160 "Neu-Rüngsdorfer" sollen dort einmal einziehen, für jeden zweiten soll es einen Tiefgaragenplatz geben.

Der damit verbundene Verkehr war und ist wohl neben der Dichte und Ästhetik der insgesamt zehn Häuser einer der neuralgischen Punkte in der vorgelegten Planung, zumal sich mit dem Rheinhotel Dreesen und der Dialyse-Station in der Rheinstraße bereits jetzt zwei Publikumsmagneten in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Zum Leidwesen der Anwohner, die dies in ihren Protesten auch immer wieder deutlich machten.

Doch die Stadt gibt Entwarnung: "Der Verkehr ist in etwa vergleichbar mit dem Aufkommen der früheren Botschaft. Das Vorhaben kann gemäß den Richtlinien als verkehrlich verträglich eingestuft werden", heißt es verwaltungstechnisch sauber im Anhang des Bebauungsplanes, bestätigt von einem Ingenieurbüro im Mai dieses Jahres. Und auch eine alte Zeder, die nach Meinung der Rüngsdorfer das Ortsbild mitprägt, dürfte dem Projekt bald nicht mehr im Weg stehen.

Durch zwei Blitzeinschläge in den 90er Jahren ziemlich ramponiert, wird sie wohl in absehbarer Zeit gefällt. "Sie ist", so die Stadt, "allein aus Gründen der Gefährdung durch Astbruch oder Windwurf nicht zweckmäßig". Und auch die Archäologen werden das Projekt nicht entscheidend aufhalten können.

Das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege vermutet im Untergrund zwar bedeutende Zeugnisse von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter, ihre tatsächliche Existenz wird jedoch allenfalls während der ohnehin zu erwartenden Erdarbeiten, sprich: dem Bau der Tiefgarage, untersucht - ohne den Zeitplan zu behindern.

Das Projekt und seine LageDas Gelände umfasst knapp 9 000 Quadratmeter. Die zehn geplanten Stadtvillen sollen jeweils eine Grundfläche von etwa 250 Quadratmetern haben, insgesamt also 2 500 Quadratmeter. Nach Ansicht der Stadt wird damit die vorgefundene Baustruktur und -dichte im Vergleich zur Nachbarschaft eingehalten. Die Gebäudehöhen werden mit bis zu 17,50 m im Vergleich zur ehemaligen Botschaft knapp überschritten (maximal 89 cm), liegen allerdings bis zu 4,15 m über dem Niveau der Nachbarbebauung. Die Einfahrt für zwei getrennte Tiefgaragen (eine davon hochwassersicher) soll an der am Ufer entlang laufenden Rheinstraße liegen.

Die SEPA GmbH hat in den vergangenen Jahren unter anderem Wohnquartiere in Frankfurt/Main ("Grünhof") und Bruchsal sowie eine Reihe von City- und Stadtteil-Centern in Stuttgart, Berlin, Jena, Gera und Erfurt entwickelt und gebaut.