Demo in Bonn

Hunderte demonstrieren für den Erhalt des Blow Up

Bonn . Mehrere Hundert Menschen haben sich am Mittwochabend in der Innenstadt zu einer Kundgebung gegen das drohende Aus für das Szenelokal Blow Up versammelt. Die Rathausgasse war während der Demonstration für den Verkehr gesperrt.

Zu der Demonstration in der Innenstadt hatte die Initiative „Viva Viktoria“ aufgerufen. 491 Personen hatten zuvor auf dem sozialen Netzwerk Facebook ihre Teilnahme zugesagt. Die Initiatoren wollen gegen die Pläne der Signa-Holding protestieren, die dem Lokal „Blow up“ zum 30. Juni gekündigt hatte. Aufgrund der Demonstration kam es zu Beeinträchtigungen des Busverkehrs in der Innenstadt. Die Buslinien wurden über den Belderberg und Hofgarten zum Hauptbahnhof umgeleitet.

Den ganzen Tag über sperrten Polizisten die Eingänge zum besetzten Haus ab. Vor dem Gebäude wuchs die Demonstrantenschar von Stunde zu Stunde, aber auch die Polizei erhielt bis zu Beginn der Demonstration am Abend Verstärkung.

Bereits seit Dienstagnachmittag halten zwei Aktivisten ein leerstehendes Haus an der Rathausgasse 16 besetzt, das der Signa-Holding gehört.  Etwa 40 Mitglieder der Kampagne für ein libertäres Zentrum in Bonn (LIZ) demonstrierten gegen den Leerstand von Wohnungen im Viktoriakarree.  Der Club ist in in einer ebenfalls der Signa gehörenden Nachbarimmobilie beheimatet.

 

Vizestadtsprecher Marc Hoffmann sagte dem GA, derzeit würden zehn Wohnungen der Signa im Viktoriakarree für 60 Flüchtlinge hergerichtet. Die besetzte Wohnung gehöre nicht dazu. "Die Hausbesetzung trägt sicherlich nicht dazu bei, zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen", kommentierte OB Ashok Sridharan (CDU) die Aktion. Doch eine Lösung werde dringend benötigt.

Die Signa Holding hat, wie berichtet, im Viktoriakarree mehrere Gebäude gekauft, um dort ein Einkaufszentrum und eine Bibliothek zu bauen. Den Verkauf der benötigten städtischen Grundstücke stoppte allerdings das Bürgerbegehren von Viva Viktoria, dem sich der Stadtrat angeschlossen hat. Mit einem Verfahren vor der Vergabekammer in Köln versucht Signa nun, die Stadt zum Verkauf zu zwingen. Parallel ist Signa nach wie vor im Gespräch mit der Stadtverwaltung, erfuhr der GA. Demnächst ist ein Gespräch mit Bonns neuem Stadtbaurat Helmut Wiesner geplant, bestätigte Leingruber.

Daniel Christel, Geschäftsführer des Blow Up, distanziert sich von der LIZ-Aktion. Er habe davon nichts gewusst. Signa will den zum 30. Juni auslaufenden Mietvertrag für den Club nicht verlängern. "Das kommt nicht aus heiterem Himmel", betonte Leingruber. Seit 2012 seien mit dem Club stets befristete Mietverträge abgeschlossen worden. Der Pächter habe damals sogar öffentlich erklärt, er wolle neue Räume für sein Lokal suchen.