Hinter den Kulissen bröckelt es

Der Förderverein will in Kürze ein Konzept zur Rettung der Bad Godesberger Michaelskapelle vorlegen. Während die Kapelle von außen zumindest auf den ersten Blick sehr gepflegt wirkt, offenbaren sich im Innern gravierende Schäden.

Bad Godesberg. Kalt pfeift der Wind um die Godesburg, also sucht auch "Momo" ein warmes Plätzchen. Und so wie sich das Kätzchen auf seinen Samtpfoten an den Kirchenbänken entlang schmiegt, helfen diesmal auch die Ermahnungen von Schwester Benedicta nicht mehr viel. Die Ordensfrau der Servitinnen von Galeazza lebt im fünften Jahr auf dem Burgberg und betreut dabei auch die Michaelskapelle.

Heute bekommt die Eremitin Besuch. Hartmut Schiedermair und Norbert Schloßmacher sind gekommen. Für Schiedermair, der in Bad Godesberg aufwuchs, war die Kapelle schon in der Kindheit zu einem seiner Lieblingsplätze geworden.

Bis vor wenigen Jahren lehrte er Öffentliches Recht an der Universität zu Köln. Norbert Schloßmacher bringt als Stadtarchivar schon von Berufs wegen kunsthistorisches Interesse mit, ist als Godesberger heute aber ebenfalls privat zugegen. Beide Herren gehören dem Vorstand eines Fördervereins an, der sich die Rettung der Michaelskapelle auf die Fahnen geschrieben hat. Galt das erste Jahr nach der Gründung der Orientierung, soll der Vereinszweck jetzt in konkreten Schritten verfolgt werden.

Während die Kapelle von außen zumindest auf den ersten Blick sehr gepflegt wirkt, offenbaren sich im Innern gravierende Schäden. "Nur, wenn Sie stark im Glauben sind", will Schwester Benedicta einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Doch nicht nur dort sind Risse in Stuck und Fresken sowie Feuchtigkeit in den Wänden auf den ersten Blick erkennbar.

Auch an den Engeln und Putten, angeblich über 100 an der Zahl, hat der Zahn der Zeit genagt. "Es geht hier nicht mehr um Schönheitsreparaturen, sondern um Substanzerhaltung", sagt Schiedermair. Neben der Restaurierung der Kunstschätze gehören eine Dachsanierung und die Trockenlegung der Außenwände zum Gesamtplan.

Ersten Schätzungen zufolge wird eine Sanierung der Kapelle wohl zwischen 600 000 und 800 000 Euro erfordern. Summen also, die zurzeit weder aus den Schatullen der Kirche, noch aus den staatlichen Fördertöpfen ohne weiteres abrufbar sind. Somit sind auch private Spenden willkommen - und zwar kleine Beträge ebenso wie Großspenden.

"Wir möchten bei den Bad Godesbergern das Bewusstsein stärken, welches kulturhistorische Erbe in ihrer Mitte schlummert", so Schiedermair. Alle Schritte unternimmt der Förderverein in enger Abstimmung mit der Pfarrgemeinde als Eigentümerin. Für die eigentliche Sanierung sollen nach den Vorstellungen der Initiatoren die Denkmalschützer der Stadt Bonn, des Landschaftsverbandes und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit ins Boot steigen.

In alten französischen Kirchen hängen inzwischen häufig Netze unter der Decke. Ihr Zweck ist es zu verhindern, dass Besuchern Teile des Stucks auf den Kopf fallen. "So weit wollen wir es hier nicht kommen lassen", sagt Schloßmacher. Klar sei aber auch: Der Förderverein könne dauerhaft nicht die Arbeit einer Feuerwehr leisten.

Von großer Bedeutung seien deshalb ein Gesamtkonzept für die Sanierung und eine Anschubfinanzierung, um potenziellen Geldgebern zu dokumentieren, dass man es mit dem Projekt ernst meint. "Es ist gewiss keine gute Idee, als erstes mit einem leeren Geldbeutel anzukommen", sagt Schloßmacher.

Die Michaelskapelle gilt als kulturhistorisches Kleinod: Sie ist das älteste und einzige noch erhaltene Baudenkmal der kurkölnisch-höfischen Architektur des späten 17. Jahrhunderts. Um 1660 war sie errichtet und dem Erzengel Michael geweiht worden. Auch wählte die von Kurfürst Josef Clemens ins Leben gerufene Michaelsbruderschaft die Kapelle als Hauskirche ihres Ordens.

Kontakt zum Förderverein über das Pfarrbüro unter der Telefonnummer (02 28) 36 31 79.

Die Eremitage

Die Eremitage an der Godesburg hat vier winzige Räume, die - in einem Winkel um einen kleinen Innenhof gebaut - den Raum zwischen Kapelle und der Vorburgmauer des 14. Jahrhunderts einnehmen.

Seit 1699 lebten dort ständig ein oder zwei Einsiedler. Ein Bruder Anton, über den nichts weiter bekannt ist, hatte im Anschluss an den Wiederaufbau des Kirchleins die Erlaubnis erhalten, zwischen Ringmauer und Kapelle das Wohngebäude zu errichten. Aufgabe der Eremiten war vor allem die Betreuung der Kapelle.

Christoph Düren soll nach den Freiheitskriegen 1813/14 die Eremitage beaufsichtig haben, nach dessen Tod soll sich etwa von 1840 bis 1860 der Schreiner Heinrich Neukirchen darum gekümmert haben. Man findet auch eine Witwe Blatzheim als Bewohnerin, die von ihrer Tochter Agnes Groepper beerbt wurde. Sie ist als "et Nies vom Berg" zum "Original" geworden, so Schloßmacher im Heft "Michaelskapelle und Marienkirche in Bad Godesberg", herausgegeben vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege.