Haus der Bildung: Am Eingang scheiden sich die Geister

Sieger des Wettbewerbs plant auch einen Neubau am Mülheimer Platz

Bonn. "Jetzt beginnt viel Arbeit." Die Kölner Architektur-Professorin Dörte Gatermann, Vorsitzende der Jury, die unter 15 Entwürfen für das Haus der Bildung zu entscheiden hatte, interpretierte damit das Ergebnis der Sitzung: Zwar habe das Gremium die Arbeit des Berliner Architekturbüros Alexander Koblitz auf Platz 1 gesetzt, doch auch der Zweitplatzierte Jörg Springer aus Berlin ist noch im Rennen, zumal die Verwaltung laut Kulturdezernent Ludwig Krapf eine "gewisse Präferenz" für die Nummer 2 hat.

Die endgültige Entscheidung muss der Rat treffen - "hoffentlich bald", sagte Krapf am Montag vor der Presse und gab zugleich das Tempo vor: "Wir streben an, dass bis Sommer nächsten Jahres die Bagger kommen."

In einem wesentlichen Punkt hat Springer das gemacht, was 13 seiner Mitbewerber auch getan haben - den Eingang für das Haus der Bildung, in dem die Volkshochschule und die Stadtbibliothek untergebracht werden sollen, im Prinzip dort gelassen, wo er ist; auch wenn Springer ihn etwas nach links, aber doch auch in dem jetzigen Gebäudewinkel, versetzt hat.

Der Berliner Architekt habe somit das Ensemble einschließlich Siemens-Haus (Ecke Mülheimer Platz/Münsterstraße) erhalten und zudem ein sehr gutes Innenkonzept entwickelt, sagte Gatermann.

Die Arbeit des ebenfalls aus Berlin kommenden Koblitz nannte die Jury-Vorsitzende "frappierend". Denn er will das Siemens-Haus abreißen und dort einen Neubau errichten, in dem vornehmlich die Sitzungssäle und Mehrzweckräume für beide Einrichtungen integriert werden sollen - und das ebenerdig und behindertengerecht, was bei der Lösung "Eingang: Bottlerplatz" kaum machbar wäre. Für die Bibliothek würde das Erdgeschoss des Alten Stadthauses hergerichtet, während die VHS in den beiden oberen Etagen ihre neue Heimat fände.

Dörte Gatermann wies darauf hin, dass die Jury sich nicht zu einem einstimmigen Votum habe durchringen können: "Das war ein hartes Ringen." Gleichwohl habe das Preisgericht, dem auch Vertreter aller Ratsfraktionen angehörten, der Stadt die Empfehlung gegeben, "den 1. Preisträger zu nehmen; das ist gute Sitte". Krapf sagte, zunächst werde sich die Verwaltung eine Meinung bilden und dann die Politik einschalten. Er selbst habe bei dem Koblitz-Plan die "Sorge", dass der Eingang der Laufrichtung der Fußgänger widerspreche. Zugleich versicherte er: " Wir gehen mit großer Offenheit an das Thema heran."

Übrigens hatten die Teilnehmer an dem Wettbewerb auch die Aufgabe, Lösungen für das Stadtmuseum und die Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus zu suchen. Beide Einrichtungen befinden sich am Viktoriabad und sollten ursprünglich ins Haus der Bildung integriert werden; aus Kostengründen nahm die Stadt von diesem Plan jedoch Abschied.

Realisiert werden könnte er in einem späteren Bauabschnitt, den nahezu alle Architekten im Bereich des hinter dem Alten Stadthaus gelegenen Windeckbunker sehen.

Apropos Kosten: Die sollen für das Objekt laut Ratsbeschluss elf Millionen Euro nicht überschreiten. "Dieses Budget ist sehr eng gefasst", sagte die Kölner Professorin und plauderte an dieser Stelle aus der nichtöffentlichen Jury-Sitzung: "Keine der 15 Arbeiten konnte diesen Kostenrahmen einhalten."

Ein Teil der elf (oder mehr) Millionen Euro soll mit der Erlös aus dem Verkauf des VHS-Gebäudes in der Wilhelmstraße gedeckt werden, das nicht zuletzt aus Gründen des Brandschutzes dringend saniert werden müsste. VHS-Chefin Ingrid Schöll und der städtische Projektleiter "Haus der Bildung", Detmar Kühl, wussten am Montag zu berichten, dass es bereits "einige Interessenten" für das Denkmal in der Willhelmstraße gebe.

Kommentar Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Rasche Entscheidung"