Haus an der Redoute: Wer renoviert, zahlt weniger Miete

Die Arbeiten am ehemaligen kurfürstlichen Privattheater werden von der Stiftung Denkmalschutz vorfinanziert, weil die Stadt als Eigentümerin dafür kein Geld hat - Stützen und Träger sind baufällig

Bad Godesberg. Fleißig gewerkelt wird derzeit am Haus an der Redoute. Ein Fachbetrieb nimmt am Balkon sowie an der Pergola notwendige Reparaturen vor. Die Querträger über den Pfeilern der Pergola sowie an der Tragekonstruktion des Balkons sind in die Jahre gekommen.

So geht es weniger um Schönheitsreparaturen als vielmehr um Arbeiten, die der Substanzerhaltung, vor allem aber der Sicherheit dienen, erklärt Andreas König, Verwaltungsleiter bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dem GA. Die Stürze unter dem Balkon sind verrostet, und auch der genannte Querträger aus Trachyt beginnt zu "zerbröseln". Die Stiftung hat das Gebäude gepachtet und residiert in den beiden oberen Etagen.

Im Rahmen der Sanierung werden auch die Bodenplatten auf dem Balkon aufgenommen, um die Konstruktion abzudichten. Außerdem nutzt man die Gelegenheit, die Fenster überarbeiten zu lassen. Insgesamt, so König, beläuft sich der Sanierungsaufwand auf circa 20 000 Euro. Den müsste eigentlich die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes aufbringen.

Doch die hat dafür bekanntlich kein Geld. Also finanziert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Betrag vor. Im Gegenzug wird ihr eine Zeitlang die Miete erlassen. Die Arbeiten an dem Balkon sollen in Kürze beendet werden, die Sicherung der Pergola dauert ein wenig länger. Derzeit wird geprüft, welches Gestein am besten das witterungsanfällige Trachytgestein des Querträgers ersetzen kann.

Die Stiftung nutzt das Haus, das Kurfürst Max Franz sich als schmuckes Privattheater neben der Redoute, errichten ließ, als einen weiteren Dienstsitz neben dem Hauptsitz in der Koblenzer Straße 75. Zusammen mit zwei weiteren Dependancen in der Dürenstraße 8 sowie Am Kurpark 6 ist die Stiftung Denkmalschutz also an vier Örtlichkeiten in Bad Godesberg präsent.

In der prächtigen Gründerzeit-Villa an der Koblenzer Straße war bis zu ihrem Umzug in den Linde-Block die Bezirksbibliothek untergebracht. 1993 mietete die Stiftung das Gebäude von der Stadt.

Es lag auf der Hand, dass die Hüter über deutsche Denkmäler an ihrem neuen Hauptsitz ein Exempel statuieren und ihre Richtlinien gewissermaßen auf sich selbst anwenden wollten. Für rund 1,3 Millionen Mark ließ man das Gebäude aufwändig und zeittypisch sanieren. Den denkmalpflegerischen Teil dabei übernahm die Stiftung, die Modernisierungsmaßnahmen wie etwa die Erneuerung der Elektrik trug die Stadtkasse.

Das Prinzip "Sanierung gegen Mieterlass" hingegen wurde erstmals angewandt, als die Stiftung 1997 das Haus an der Redoute übernahm (ein "Glücksfall", befand damals die Presse). Hier beliefen sich die Kosten auf rund 1,8 Millionen Mark, in etwa der Betrag, für den Schätzungen zufolge die Stadt das Gebäude erst zwei Jahre zuvor erworben hatte. Im Rahmen der Restaurierungsarbeiten wurde damals auch der ursprüngliche Grundriss rekonstruiert.

Demzufolge diente das Gebäude offenbar als eine Art "Zimmertheater", in dem auf wenigen Quadratmetern vor dem Kurfürsten und einer Handvoll illustrer Besucher kleine Theaterstücke oder Singspiele über die Bühne gingen. Alles längst Vergangenheit. Statt als exklusiver Treff für den Adel wird das Erdgeschoss seit langem für öffentliche Ausstellungen genutzt.