Bonner Bäder

Hardtberger gehen auf die Barrikaden

BONN.  Die von der Bonner Stadtverwaltung überraschend aus dem Hut gezauberten Schließungspläne für das Hardtbergbad haben den kleinsten Bonner Stadtbezirk völlig unerwartet getroffen. Doch der Widerstand formiert sich.
Badevergnügen: Gäste in diesem Sommer im Hardtbergbad.
								Foto: Roland Kohls
Badevergnügen: Gäste in diesem Sommer im Hardtbergbad. Foto: Roland Kohls

Den Widerstand darf Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) auch aus der eigenen Partei erwarten. Denn in der SPD-Hardtberg schüttelt man nur den Kopf, und die Vorsitzende Binnaz Öztoprak will sich an die Spitze der Bewegung stellen. "Jetzt wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben", erklärte sie.

Dass die Hardtberger nach einer Schließung ihres Kombibades dann nach Bad Godesberg oder in den Bonner Norden fahren müssen, um schwimmen zu gehen, zeige, wie absurd der Vorschlag sei.

"Es ist noch nicht aller Tage Abend", glaubt Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand (CDU), die um das einzige Bonner Kombibad kämpfen will und die Schließung für eine Schnapsidee hält. Was die schlechten Zahlen des Bades angeht, meinte sie: "Man darf nicht nur das Jahr 2011 betrachten, sondern muss auch die Zahlen von heißen Sommern zugrunde legen."

Im Internet hat sich derweil eine Facebook-Gruppe "Rettet das Hardtbergbad" gegründet. Der Gründer Michael Fengler, der auch Vorsitzender der Hardtberger Jusos ist, registrierte innerhalb eines Tages mehr als 280 "Gefällt mir"-Klicks und sagt: "Ich überlege, eine Bürgerinitiative zu gründen oder ein Bürgerbegehren einzureichen.

Aber so weit sind wir noch nicht." In die andere Richtung vorgeprescht sind die Jungen Liberalen und bezeichnen die Schließung des Bades als unerfreulich, aber folgerichtig.

Rund ging die Diskussion auch auf der Homepage des General-Anzeigers. Mehr als 60 Leser äußerten sich dort, kommentierten und kamen zu einem klaren Ergebnis: Die Schließung des Hardtbergbades wäre ein Fehler.

Allerdings: In die Jahre gekommen, wenig attraktiv und mehr Masse als Klasse - das trifft auf alle Bonner Bäder zu. In den Hallenbädern ist die Nachfrage der Badegäste sehr begrenzt, die Besucherzahlen der Freibäder sind dagegen stark wetterabhängig. Dass nun ausgerechnet ein Kombibad schließen soll, hatte auch Bädergutachterin Kim Fischer nicht auf ihrer Liste.

Dass gespart werden muss, unterstützt die CDU/Grünen-Ratskoalition, will aber anders an die Sache ran und sich Frei- und Hallenbäder getrennt ansehen. Was die Freibäder angeht, sollen alle geöffnet bleiben, sofern die Fördervereine im Melbbad und im "Friesi" - Bäder, die die Stadt schließen will - nennenswerte Beiträge zum Erhalt leisten.

Was die Hallenbäder angeht, könne es auf die Schließung eines Bades hinauslaufen, sagte Tom Schmidt (Grüne). Und dies müsse in einer Bürgerbeteiligung abgefragt werden, fordern CDU und Grüne.

"Eine Fragemöglichkeit wäre zum Beispiel: Ein Hallenbad muss schließen - welches schlagen Sie vor?", beschreibt Schmidt. Er könnte sich zuerst eine Online-Runde vorstellen und anschließend eine repräsentative Umfrage ähnlich einer Wahlbefragung.

"Dann wissen wir, was die Bürger wollen, und dann müssen wir das auch umsetzen", sagt er. In den Augen von CDU/Grünen mache eine solche Beteiligung immer Sinn.

Der Hintergrund des aktuellen Bäder-Sparvorschlags ist die Verschuldung der Stadt. Sie schreitet weiter voran. Defizit für 2012: mehr als 200 Millionen Euro. Defizit für 2013: wieder 58,8 Millionen. "Wir haben es nochmals geschafft, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen, wenn auch noch gerade so im rechtlichen Rahmen", sagte Stadtkämmerer Professor Ludger Sander vor wenigen Wochen bei der Einbringung des Haushaltsentwurfs 2013/14 im Stadtrat. Das sei nur möglich gewesen, "indem das Eigenkapital der Stadt Bonn in dramatischer Weise reduziert wird".

Folgt man Sanders Planzahlen, wird sich dieses Eigenkapital, der Buchwert von Straßen, Ampeln und Gebäuden, von 2013 bis 2017 um weitere 210 Millionen verringern. Ursache: Bonn lebe seit Jahren "über seine finanziellen Verhältnisse".

Nun drohen im nächsten Jahr Gespenster wie Haushaltssicherungsgesetz oder Nothauhalt, womit die Stadt ihre Selbstbestimmung an die Kommunalaufsicht verlieren würde. Sander: "Damit die Bundesstadt Bonn ihre Zukunft selbst gestalten kann, gilt es, so schnell wie möglich einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen und die städtische Verschuldung in einem ersten Schritt zu begrenzen und mittelfristig zu reduzieren."

Im Hardtbergbad sollen allerdings die Lichter noch nicht sofort oder in absehbarer Zeit ausgehen, erst für 2017 plant die Stadtverwaltung die Schließung. Nichts mit den Schließungsplänen der Stadtverwaltung hat es zu tun, wenn im Dezember für drei Wochen kein Schwimmen im Hardtbergbad möglich ist: In dieser Zeit findet das jährliche Großreinemachen und Reparieren von kleineren Schäden in der Halle statt.

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