Gutachter stellen Verkehrskonzepte vor

BONN. Gut 650 Seiten umfasst der neue Verkehrsentwicklungsplan. Dass man da in einer kurzen Zusammenfassung nicht allen Aspekten gerecht werden kann, liegt in der Natur der Sache.

Diese Erfahrung mussten Gutachter und Stadtplaner am Freitagabend beim öffentlichen Hearing im Forum der Beethovenhalle machen. Gut 100 interessierte Bürger waren zu der Präsentation gekommen. Ein klarer Beweis dafür, dass der Verkehr den Menschen unter den Nägeln brennt.

Nach einer Einführung durch Stadtbaurat Werner Wingenfeld und Planungsamtschef Michael Isselmann stellten Bernd Kollberg von Intraplan, Thomas Baum von VSU und Arno Blase von der AB Stadtverkehr ihre Teile des Gutachtens vor.

Ihre wichtigsten Vorschläge für eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Zukunft:

  • Sechsspuriger Ausbau der Autobahnen 565 und 59;
  • Anschluss der BGS-Straße zwischen Vilich-Müldorf und Hangelar an die A565;
  • Halbanschluss der Schlesienstraße an die A555;
  • Direktanschluss des Uni-Campus in Poppelsdorf an die Autobahn;
  • Anschluss der Thomastraße an die Viktoriabrücke;
  • Niveaufreier Übergang von Kessenich/Dottendorf über die Bahngleise an die B9;
  • Verlängerung der Straßenbahn Linie 63 von Tannenbusch nach Buschdorf;
  • Straßenbahn über die Kölnstraße nach Auerberg;
  • Aktivierung der RSE-Trasse von Beuel bis Kohlkaul/Hangelar als Straßenbahn;
  • eine Seilbahnverbindung vom Hindenburgplatz zum Venusberg;
  • eine Steigerung des Radverkehrsanteils von derzeit zwölf Prozent auf 25 Prozent in 2020 durch Ausbau des Radwegenetzes, mehr Sicherheit auf den Strecken und ein Radverleihsystem.

Projekte wie die Hardtbergbahn oder die S13 bis Oberkassel seien in dem neuen Verkehrsentwicklungsplan als "Bezugsfall" gesetzt, hieß es. Vorwürfe aus der Bürgerschaft, der Schwerpunkt liege zu stark auf dem motorisierten Individualsystem und ein Ausbau der Straßen würde auch mehr Verkehr anziehen, wiesen die Gutachter zurück.

Wichtig sei, dass nur ein Bündel an Maßnahmen zu einer Verbesserung führe. Baum: "Man muss heute etwas tun, damit der Verkehr so ,wenig' bleibt wie heute. Letztlich müssen Sie einfach die Tatsache anerkennen, dass die Straßen in Bonn morgens und abends zu sind." Ziel sei es letztlich einen "umweltfreundlichen Stadtverkehr" zu schaffen, Mobilität zu gewährleisten und den Verkehrsfluss zu verbessern.

Einige Zuhörer wiesen darauf hin, dass Verkehrspläne möglichst in Kooperation mit den Nachbarkommunen angegangen werden müssen. Weitere Fragen drehten sich um die Themen Sicherheit in Bussen und Bahnen und besseren Radwegeverbindungen, etwa vom Hauptbahnhof in den Bonner Norden.

Zur Forderung nach Schnellbuslinien sagte Kollberg, dass Bonn für solche zusätzlichen Busverbindungen zu wenig Kapazitäten habe. "Das derzeitige Aufkommen reicht dafür nicht." Andere Sprecher hatten Zweifel, dass die Straßenerweiterungskonzepte merklich zur Stauvermeidung ausreichten. Auch gab es Stimmen für die Wiederaufnahme der Pläne Ennertaufstieg und Venusbergtunnel.

Viele der aufgeführten Punkte, so machte Isselmann klar, seien Ideen, die über den Zeitpunkt 2020 hinaus Bestand haben werden: "Es ist klar, dass nicht alle Maßnahmen in neun Jahren realisiert sind." Die Anregungen aus dem Verkehrshearing sollen im weiteren politischen Entscheidungsprozess diskutiert werden.