Gut für alle Beteiligten

Kommentar

Es geht also doch: Dank des Alkoholkonsumverbots und flankierender Sozialarbeit ist das Bonner Loch nach vielen Jahren endlich kein Treffpunkt der offenen Drogen- und Alkoholszene mehr. Die schon reflexhaft geäußerten Befürchtungen von Polizei und Sozialarbeitern, mit einem Konsumverbot würde sich die Szene unübersichtlich zerstreuen, haben sich nicht bewahrheitet.

Eher das Gegenteil ist der Fall: Die großen Zuläufe bei Caritas und Verein für Gefährdetenhilfe belegen, dass der erhöhte Druck auf die Szene positive Wirkung zeigt. Und die kleinen Gruppen, die sich jetzt noch ab und zu in der Stadt bilden, sind für die Sozialarbeiter dank der überschaubaren City relativ leicht zu finden.

Dass sich der Aufenthalt im Bonner Loch für die Passanten und Händler angenehmer gestaltet als all die Jahre zuvor, ist die eine positive Nachricht. Die andere ist, dass man die Hilfebedürftigen nicht länger im doppelten Wortsinn im Loch hängen lässt, sondern sie dorthin führt, wo sie Hilfe bekommen und Auswege aus ihrer jahrelangen Misere finden können.

Als endgültig gelöst wird man das Problem am Hauptbahnhof jedoch nicht betrachten können. Zum einen steht der Winter bevor und erst dann wird sich zeigen, ob alle, die ein warmes Plätzchen brauchen, auch ein solches finden. Zum anderen gibt es nun am Busbahnhof einen harten Kern von Drogenabhängigen, die Bonner Substitutionspraxen besuchen. Sie fallen weiterhin negativ auf - auch durch exzessiven Alkoholkonsum.

Wie man dieser Gruppe helfen kann, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Dass es auch hier der Sozialarbeit bedarf, ist klar. Es sollte aber auch ausprobiert werden, parallel dazu durch eine Ausweitung der Alkoholverbotszone oder durch Platzverweise den Druck zu erhöhen, entsprechende Hilfsangebote anzunehmen.

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