Großer Mangel an Fachkräften in der Pflege

BONN. "Der eklatante Mangel an qualifizierten Fachkräften gefährdet zusehends unsere Arbeit", sagt Beate Hartmann, langjährige Leiterin der Sozialstation Kontaktbrücke 64 e.V. Es ist wie ein Hilferuf in Zeiten des Pflegenotstands und des demografischen Wandels.

Händeringend sucht Hartmann seit fast einem Jahr nach qualifiziertem Personal. Konkret benötigt sie zwei weitere hauptamtliche Kräfte, um ihr Team von zurzeit zwölf Mitarbeitern aufstocken zu können - bislang ohne Erfolg.

In dem anspruchsvollen Arbeitsfeld steht der Mensch im Mittelpunkt, der Pflegende und auch die Pflegekraft. Dies liegt auch an der Philosophie des Vereins, der in den fast 30 Jahren seines Bestehens ein ganzheitliches Pflegekonzept entwickelt hat. Die Kontaktbrücke 64 mit Sitz in der Endenicher Straße 49 gründete sich aus der Erfahrung der zunehmenden Isolierung und Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen, heißt es in einer Selbstdarstellung.

Seit 1982 ist die Kontaktbrücke als gemeinnütziger eingetragener Verein in der Pflege und Betreuung alter, behinderter und psychisch kranker Menschen tätig. "Unter ganzheitlicher Betreuung verstehen wir die Berücksichtigung sowohl körperlicher und seelischer als auch sozialer Faktoren, da diese in ihrem gegenseitigen Wechselbezug den Menschen bestimmen. Unsere Arbeit ist als ergänzende Tätigkeit zu verstehen. Wir sind dort tätig, wo sich der Betroffene nicht mehr selbst versorgen kann", sagt Hartmann.

Die Gründe für den Fachkräftemangel sind aus ihrer Sicht die zunehmende Bürokratisierung des Pflegealltags, Zeitdruck, psychische und physische Belastung der Mitarbeiter, Schicht- und Wochenenddienste als auch die Sparmaßnahmen der Krankenkassen. "Solange der Mensch ein Kostenfaktor ist, kann das nichts geben", so Hartmann. Ihre Forderung an die Politik: "Das Berufsbild muss aufgewertet und die Bezahlung der Pflegekräfte verbessert werden."

Im Konkurrenzkampf mit den Krankenhäusern sehen sich die Mitarbeiter der Kontaktbrücke gut aufgestellt. "Aufgaben werden bei uns im Team gelöst, hierarchische Strukturen gibt es bei uns nicht", so der Qualitätsbeauftragte der Kontaktbrücke, Thomas Kleihaus. Und: "Im ambulanten Dienst tragen wir nicht nur mehr Verantwortung, sondern haben auch wesentlich größere Gestaltungsmöglichkeiten in unserer Arbeit", sagt Heribert Geschwind.

Er sieht im ambulanten Dienst deutliche Vorteile gegenüber dem Krankenhaus. Dazu gehören etwa auch Teilzeitmodelle und fehlende Wochenend- und Schichtdienste. Sandra Becker, die vor 13 Jahren bei der Kontaktbrücke anfing, sagt: "Neben einem kollegialen Team finde ich hier eine hohe Wertschätzung für meine Arbeit vor."

Die Kontaktbrücke wurde nach eigenen Angaben im Mai vorigen Jahres mit der Bestnote 1,0 bei der Qualitätskontrolle durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) bewertet.