Goethe-Institut verlässt Bad Godesberg

Sie kommen aus allen Ecken der Welt nach Bad Godesberg. Die Schüler des Goethe-Instituts sind zweifellos eine Bereicherung für den Stadtteil. Nach 25 Jahren wird das Goethe-Institut Ende des Jahres Bad Godesberg verlassen und ins Bonner Zentrum ziehen.

Bad Godesberg. Sie kommen aus allen Ecken der Welt nach Bad Godesberg. Die Schüler des Goethe-Instituts sind zweifellos eine Bereicherung für den Stadtteil. Neulich beim Sommerfest des Hauses gab es mal wieder eine Gelegenheit, das bunte Durcheinander der Nationen zu erleben.

Bei aller Freude war bei Institutsleiterin Anne-Kathrein Weber und den Mitarbeitern des Hauses auch ein bisschen Wehmut zu spüren. Nach 25 Jahren wird das Goethe-Institut Ende des Jahres Bad Godesberg verlassen.

Im Zentrum von Bonn bezieht das Institut 2011 neue Räumlichkeiten. Mehr wollte Weber nicht verraten. Hauptgrund für den Standortwechsel ist eine Kooperation des Goethe-Instituts mit der Uni. Darüber hinaus verspricht sich Anne Weber neue Impulse für ihre Sprachstudenten. Denn so sehr die Besucher aus aller Herren Länder die Idylle der Villa mit Garten an der Friedrich-Ebert-Straße genossen, so weit entfernt waren sie von der Lebenswirklichkeit ihrer deutschen Altersgenossen. "Die haben das Gefühl, in ein Bilderbuch gefallen zu sein."

Fünf fest angestellte Lehrer, zehn Honorarkräfte, drei Zivildienstleistende, eine Hauswirtschafterin und acht Mitarbeiter in der Verwaltung haben das Haus in all den Jahren "mit großer Herzlichkeit" geführt. "Viele arbeiten schon seit zehn Jahren oder länger hier", sagt Anne Weber.

Eröffnet wurde das Bonner Goethe-Institut 1985 in den Räumlichkeiten von Inter Nationes an der Kennedyallee. Warum es mehr als 30 Jahre dauerte, bis die 1951 gegründete Organisation auch in der Hauptstadt eine Niederlassung unterhielt, kann sich Anne Weber bis heute nicht erklären. Fest steht, dass die angebotenen Sprachkurse vom ersten Tag an große Resonanz bei Diplomaten und Korrespondenten fanden. 1990 waren die Kapazitäten an der Kennedyallee erschöpft. Es folgte der Umzug in die Villa am Kurpark.

Im neuen Domizil wandelte sich der Kulturauftrag des Bonner Goethe-Instituts grundsätzlich. Anstelle der Diplomaten besuchten immer mehr Studenten die Sprachkurse. Besonders groß ist heute die Zahl arabischer Medizinstudenten, die mit einem Staatsstipendium versehen in Deutschland ihren Facharzt machen. In dieser Gruppe genießt das Bonner Goethe-Institut einen guten Ruf.

Von etwa 180 Studenten im Sommer und 110 im Winter kommt fast die Hälfte aus dem arabischen Raum. Für sie ist das Goethe-Institut "die erste Tür nach Deutschland". Dort lernen sie nicht nur die deutsche Sprache. Sie bekommen Hilfestellungen bei Behördengängen, Wohnungssuche oder Kinderbetreuung. Bis zu sechs Jahre verbringen die "Migranten auf Zeit" mit ihren Familien in Deutschland.

Die reizvolle Mischung aus Studenten von allen Kontinenten macht sich besonders stark in den Sommermonaten bemerkbar, wenn die "Spaßlerner" das Bild des Hauses prägen. Diese Klientel will Anne Weber am neuen Standort im Zentrum behalten. "Aber ich will auch neue Gruppen begeistern."

Sie hofft, "dass unsere Studenten in Bonn Menschen auf ganz normalem Weg kennen lernen werden." In der Mensa, im Café in der Bibliothek oder einfach auf der Straße.