Godesberger Kirchen droht Schließung

Harte Entscheidungen stehen an: Haben St. Augustinus, Frieden Christi, Heilig Kreuz und Thomaskapelle eine Zukunft?

Bad Godesberg. Die Godesberger Kirchengemeinden plagt, wie auch andernorts, ein heikles Problem, das sie im Jahr 2010 besonders fordern wird: Die Steuereinnahmen stagnieren. Der üppige Gebäudebestand ist in die Jahre gekommen, der Sanierungsstau offensichtlich.

In internen Gesprächen geht es längst um Alternativnutzungen, Vermietung oder Abriss. Da wird mehr oder weniger öffentlich gefragt, "welche Gebäude eine Gemeinde überhaupt und unbedingt noch braucht" und wie "mutige Verkaufsvorschläge" aussehen könnten.

So legte es den Gemeinden unlängst auch eine Tagung der Evangelischen Akademie dringend ans Herz. Denn selbst die bislang unantastbaren Gotteshäuser stehen nun zur Disposition. Hier sind im Stadtbezirk nur die Heiland- und die Erlösergemeinde "aus dem Schneider", weil sie jeweils nur eine Kirche zu finanzieren haben.

Alle anderen trifft es hart. Wie berichtet, hatte 2007 die evangelische Johannesgemeinde überraschend öffentlich die Karten auf den Tisch gelegt. Bei knapp 5 000 Mitgliedern ist sie mit vier Gotteshäusern überreich gesegnet. Ein Expertengutachten sollte helfen. Die alte Rigal'sche Kapelle scheint außen vor zu bleiben.

Doch bis heute diskutiert sich das Presbyterium hinter verschlossenen Türen die Köpfe heiß, ob man nun auf die vergleichsweise intakte Marienforster, die ziemlich marode Johannes- oder die doch sehr sachliche Immanuelkirche verzichten könne. Auf Anfrage sind die Verantwortlichen nicht zu einer Stellungnahme zu bewegen, obwohl sie über das Thema aktuell verhandeln.

Auch von Pfarrer Siegfried Eckert von der evangelischen Thomasgemeinde ist nur ein Seufzer zu hören. "Wir sitzen auf genug Baustellen." Erst müsse der Paulus-Kindergarten umgebaut und die Pauluskirche neu beleuchtet werden, zudem müssten Räume und Kindergarten der Christuskirche erneuert werden. Und dann überlege man bis 2013, wie es bei knapp 5 000 Mitgliedern mit der dritten Kirche, der Thomaskapelle, weitergehe.

Dieses zeitliche Polster scheinen die drei katholischen Gemeinden kaum mehr zu besitzen. Sie müssen nach Maßgabe des Erzbistums 2013 fusioniert sein. Doch Dechant Wolfgang Picken wiegelt ab. Drei der insgesamt 13 Standorte seien im Gespräch, bestätigt er Informationen beunruhigter GA-Leser.

Die hatten von Überlegungen gehört, die Kirchen Heilig Kreuz, St. Augustinus und Frieden Christi aufzulösen. "Bitte beunruhigen Sie die Menschen nicht. Wir sind momentan erst im Findungsprozess und haben noch keine schlüssigen Ergebnisse", so Picken, dessen 8 300 Mitglieder zählende Rheinviertel-Gemeinde den Erhalt von fünf Kirchen und einer Kapelle stemmen muss.

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Und dann gibt Picken doch zu, dass die Beschädigung des Dachs von Heilig Kreuz beträchtlich sei. Wie berichtet, hat das Rheinviertel hier schon auf zwei Gemeindehäuser und einen Teil des Kirchplatzes verzichtet. Neue Wohnbebauung wird sie ersetzen.

Ja, seine dritte Kirche St. Augustinus müsse sehr kostenaufwendig saniert werden, bestätigt auch Pfarrer Josey Thamarassery für die 7 900 Seelen zählende Gemeinde St. Marien und St. Servatius. "Das macht uns Sorgen", ist ihm noch zu entlocken. Wie berichtet, musste sich zwecks Rettung der zusätzlichen Michaelskapelle kürzlich schon ein Förderverein formieren.

Pfarrkollege Helmut Powalla von St. Martin und Severin ist mit fünf Gotteshäusern für 10 300 Mitglieder in der derzeitigen Finanzlage noch weniger zu beneiden. "Bezüglich des Pfarrzentrums und der Kirche Frieden Christi spielen wir verschiedene Optionen durch. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht", erklärt Powalla. Eine offizielle evangelische Anfrage zur Mitnutzung von Frieden Christi oder St. Albertus Magnus liege ihm übrigens nicht vor.

Ehe man nur ökonomisch überlege, müsse zunächst klar sein, was vor Ort pastoral geschehen solle, ergänzt Dechant Picken. Dabei spiele die jeweilige soziale Entwicklung eine wichtige Rolle. Von einer ökumenischen Plattform ist dabei aber rein gar nichts herauszuhören.