Godesberger Kammerspiele sind ein Denkmal

Die Stadt stellt den 50er-Jahre-Bau still und heimlich unter Schutz - Für das Foyer gibt es eine Sonderregelung

Bad Godesberg. Zuletzt waren die Kammerspiele ein ganz normales Theater. Auf der Bühne wurde ganz normales Programm geboten, das vom Publikum sehr gut angenommen wurde.

Kein Wort wurde mehr verloren über eine Öffnung des Hauses, insbesondere des Foyers, wo nach Vorstellung von Intendant Klaus Weise prima ein Gastronomiebetrieb hinein passen würde. Der bauliche Status quo ist jetzt von Amts wegen zementiert worden: Die Kammerspiele stehen seit Anfang Dezember unter Denkmalschutz.

Ab sofort müssen "bauliche Änderungen mit der unteren Denkmalbehörde abgestimmt" werden, erklärt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage des GA. Die im rückwärtigen Anschluss an das Gebäude befindliche Werkstatthalle ist nicht Teil des Denkmals. Für das Foyer wurde nach Informationen des GA eine Sonderregelung gefunden.

Man habe sich darauf verständigt, den Bereich umzugestalten. Heller soll es werden. Dem technischen Direktor des Theaters, Günter Riebl, ist dieser Passus nicht bekannt. Erst kürzlich äußerte er im Rahmen eines Ortstermins Bedenken, dass der Denkmalschutz die gewünschten Veränderungen erschweren könnte.

Die Untere Denkmalbehörde ist nicht nur Wächter über den Denkmalschutz, sondern auch Initiator. In der Begründung, die Kammerspiele unter Schutz zu stellen, heißt es: "Der gestaffelte Theaterbau mit flach ausgebildeten Dächern ist charakteristisch für die Bauweise und formale Gestaltung einer fortschrittlich geprägten Architekturauffassung der Nachkriegszeit."

Sie zeichnet sich durch "interessante Blickfänge" wie zum Beispiel die "höhengestaffelte Schaufront mit den gerundeten Gebäudeecken" oder "die Detailgestaltung mit Fensterbändern aus schmalen hochrechteckigen, teils schlitzartig gelängten einzelnen Öffnungen" aus.

Der Baukörper nehme "eine beherrschende Stellung am Theaterplatz" ein, und hebt sich damit wohltuend von "den schlichten kubischen Neubauten der Umgebung" ab. Unter dem Strich kommt die Denkmalbehörde zu dem Schluss, dass "an der Erhaltung der Kammerspiele (...) aus wissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse" bestehe. Informiert wurde die zur Begründung herangezogene Öffentlichkeit nicht. Das sei so üblich, sagte eine Stadtsprecherin. Nur der Eigentümer werde über in Kenntnis gesetzt. In diesem Fall die Stadt selbst.

Diese Informationspolitik fanden die Freunde der Kammerspiele zunächst gar nicht gut. Zufällig hatten sie von dem Beschluss der Unteren Denkmalbehörde erfahren. Mit einigem Abstand begrüßt Kurt Tudyka, Vorsitzender des Vereins, die Entscheidung, soweit sie "die Bedeutung des ersten Theaterneubaus der Nachkriegszeit hervorhebt und die Nutzung als Hauptspielstätte des Schauspiels Bonn langfristig sichert."

Gleichzeitig warnen die Freunde der Kammerspiele vor einer "Musealisierung des Gebäudes". Sie halten Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere die Umgestaltung des Foyers, nach wie vor für erforderlich.

Baugeschichte

Als sich im Stadttheater Bad Godesberg 1952 der erste Vorhang hob, waren Technik und Ausstattung des Hauses auf dem neuesten Stand. In mehreren Umbauphasen - zuletzt 1986 im Rahmen der Eingliederung in das Bonner Theater - wurde das Haus den neuen Herausforderungen der Zeit angepasst.

Zuletzt hatte die Diskussion um den Fortbestand der Kammerspiele Investitionen verhindert. In diesem Jahr spendierte die Stadt dem Theater eine neue Bestuhlung. Ein großes Magazin zur Lagerung von Kulissen und Requisiten fehlt. Deshalb soll im kommenden Jahr der Hof überdacht werden.