Glocken läuten Kloster-Ära ein

Bonn-Bad Godesberg. Am vergangenen Wochenende strahlten sie schon mal mit Pfarrer Wolfgang Picken und Susanne Littfinski, der Leiterin des Caritas-Altenheims Emmaus, um die Wette, die vier neuen indischen Ordensfrauen Rincy, Linda, Lancy und Stancy, die gestern ihr neues Domizil Herz Jesu im Villenviertel bezogen haben.

Beim gut besuchten Sommerfest im Haus Emmaus mussten immer neue Kaffeetische und Stühle unter die Sonnenschirme gestellt werden. Der indonesische Frauenverein sowie eine ruandische und eine lateinamerikanische Musikgruppe sorgten zusätzlich für internationales Flair.

Die vier Nonnen der Mission Schwestern der unbefleckten Empfängnis Mariens erzählten in gutem Deutsch von ihrer Erfahrungen als Krankenschwestern in Mönchengladbach und Bensberg und freuten sich über den herzlichen Empfang an ihrer neuen Wirkungsstätte, wo sie im April schon hospitiert hatten.

"Alle vier können am 1. Juli voll bei uns einsteigen. Wir sind begeistert von ihrer Ausstrahlung und ihrem Können", kommentierte Susanne Littfinski den Neuzuwachs. Die Schwestern Stancy und Lancy hätten sich seit Anfang Juni bereits die Anerkennung des Pflegepersonals und die Zuneigung vieler der im Schnitt 87-jährigen Bewohner erworben.

Eine der Nonnen werde sich künftig ganz auf die Sterbebegleitung im Altenheim konzentrieren können. "Eine tolle Sache, weil sie unserem im Haus integrierten Hospizkonzept weiter Kontur geben kann", meint Littfinksi. Im Haus Emmaus wird jeder Bewohner über Jahre hinweg möglichst von denselben Bezugspersonen gepflegt, zu denen fortan, wenn sich schwerste Erkrankungen abzeichnen, mit der indischen Nonne eine spezialisierte Hospizschwester hinzukommen kann.

Getragen wird das Ganze vom katholischen Pfarrbereich Rheinviertel, der zurzeit mit Hilfe seiner überaus erfolgreichen Bürgerstiftung neben der erfolgten Klostergründung St. Hildegard in Rüngsdorf auch im Pfarrzentrum Herz Jesu einen neuen Konvent mit vorerst fünf indischen Nonnen ansiedelt.

Wegen des Spardrucks im Erzbistum Köln hatte der Seelsorgebereich das Pfarrhaus in der Hensstraße 5 aufgeben müssen. Hier sind nun die von der Stiftung organisierten und oft ehrenamtlich ausgeführten Umbauarbeiten abgeschlossen geworden. Zur Feier des Einzugs läuteten gestern um 12 Uhr in allen Kirchen des Pfarrbereichs die Glocken.

Zum 100. Weihetag von Herz Jesu wird am 16. September Erzbischof Joachim Kardinal Meisner dem neuen Kloster seinen Segen geben. Damit erfüllt sich ein Herzenswunsch des in der Hospizarbeit engagierten Pfarrers Wolfgang Picken: "Wir rücken so dem Ziel näher, dass auch in institutionalisierter Altenarbeit zusätzlich zur Pflegeleistung der oft einsame Mensch bis zu seinem Tod würdevoll begleitet wird."

Pfarrer Picken hofft, im Laufe des Jahres 2007 eine weitere der dann fünf Nonnen als Hospizschwester im Haus Emmaus einsetzen zu können. Auch die will die Bürgerstiftung finanzieren.