"Gesellschaft ignoriert kommende Probleme"

BONN. SPD-Gespräch zu Wohnen und Leben im Alter

Eine tiefgreifende und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema "Alter" haben am Dienstag Teilnehmer und Besucher des Stadthausgesprächs vor Ort der Bonner SPD-Fraktion gefordert. "Wie wollen wir im Alter leben?", hieß der Titel der Diskussionsrunde im Tenten-Haus der Begegnung.

"In 20 Jahren werden wir dramatisch mit dem Problem Altersarmut konfrontiert sein. Dabei wird es nicht um eine Minderheit gehen, sondern um ein gesellschaftliches Problem", sagte der Moderator Ulrich Hamacher, Geschäftsführer Diakonisches Werk Bonn. Er beobachte zutiefst beunruhigt die Tendenz der Gesellschaft, die kommenden und auch schon bestehenden Probleme einfach zu ignorieren.

Besonders die Stadt Bonn müsse sich bewegen, sagte der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Bernhard von Grünberg. "Sie tut fast nichts. Wir sind in einer wirklich katastrophalen Situation. Nur ein Prozent der Wohnungen sind hier barrierefrei, bis 2040 wird sich aber die Zahl der Pflegefälle verdoppeln", sagte er.

Karin Robinet, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Bonner Altenhilfe, forderte die weitere Förderung von Nachbarschaftszentren und Senioreneinrichtungen. "Ich wünsche mir, im Alter in einem aktiven Netzwerk von Freunden und Nachbarn zu leben. Wir müssen Netze knüpfen, in Beziehungen investieren und uns engagieren", sagte sie.

Gerd Hönscheid-Gross, Mitbegründer und Aufsichtsratsmitglied des genossenschaftlichen Mehrgenerationenwohnprojektes Amaryllis, pflichtete ihr bei. "Es gibt noch erhebliche Ressourcen in der Zivilgesellschaft", sagte er und forderte die Politik auf, mehr Rahmenangebote für neue Projekte zu schaffen. "Als wir mit Amaryllis anfingen, gab es keinerlei öffentliche Unterstützung", berichtete Hönscheid-Gross. Bei der Gründung des zweiten Hauses, des integrativen Wohnprojektes Villa Emma, habe es schon weniger Probleme gegeben. Frank Wilbertz, Leiter des Tenten-Hauses der Vereinigten Bonner Wohnungsbau AG, erkannte eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung: "Wir bemerken, dass alles besser läuft, wenn die Bewohner nicht nur auf unsere Hilfe angewiesen sind, sondern auch eine Familie im Hintergrund haben."

Das nächste Stadthausgespräch beginnt am Dienstag, 8. Mai, um 19 Uhr im Erich-Ollenhauer-Haus, Ollenhauerstraße 1. Thema: "Alle Kinder bilden heißt: Frühe Bildung muss gebührenfrei sein!" statt.