General-Anzeiger erhält "Wächterpreis der Tagespresse"

Mit seinen Recherchen und seiner Berichterstattung hat der General-Anzeiger die eklatanten Missstände beim 200-Millionen-Euro-Projekt "World Conference Center Bonn" (WCCB) aufgedeckt und damit in Bonn für viel Aufregung gesorgt. Jetzt wurde das Redaktionsteam hinter der GA-Serie "WCCB - Die Millionenfalle" mit dem Wächterpreis ausgezeichnet.

Bonn. (wrm/dpa) Mit seinen Recherchen und seiner Berichterstattung hat der General-Anzeiger die eklatanten Missstände beim 200-Millionen-Euro-Projekt "World Conference Center Bonn" (WCCB) aufgedeckt und damit in Bonn für viel Aufregung gesorgt. Jetzt wurde das Redaktionsteam hinter der GA-Serie "WCCB - Die Millionenfalle" mit dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.

Über Monate hinweg hatten die sechs Journalisten Lisa Inhoffen, Rita Klein, Bettina Köhl, Bernd Leyendecker, Florian Ludwig und Wolfgang Wiedlich den Bau verfolgt. Dabei machten sie eine Fülle von Fehlentwicklungen, Leichtfertigkeiten und Verschwendungen transparent. Die Serie zeige nach Angaben der Jury drastisch die Probleme eines Großprojekts unter kommunaler Regie.

Millionenfalle WCCBLesen Sie hier unsere ausgezeichnete Serie "Die Millionenfalle"

Der erste Preis, mit dem die Stiftung "Freiheit der Presse" in Bad Vilbel den General-Anzeiger auszeichnet, ist mit 12 000 Euro dotiert.

"Die Redaktion wird zu Recht für ihre hervorragende Arbeit ausgezeichnet. Der Preis ist bundesweit von größter Bedeutung. Umso mehr freuen wir uns über die Entscheidung der Jury. Es ist ein eindeutiges Signal für Qualitätsjournalismus", sagte Hermann Neusser, Verleger und Herausgeber des GA, in einer ersten Stellungnahme.

Der zweite Preis (8 000 Euro) geht an Christine Kröger vom "Weser- Kurier" in Bremen. Sie wurde für ihre hartnäckigen Recherchen im Rockermilieu ausgezeichnet. Der dritte Preis (6 000 Euro) wurde an Roland Kirbach vom Hamburger Wochenblatt "Die Zeit" vergeben. Die Jury würdigte seine Analyse von Finanztransaktionen deutscher Gebietskörperschaften mit der Praxis des "Cross-Border-Leasing".

Die renommierten Preise, die zum 41. Mal vergeben wurden, werden am 5. Mai im Frankfurter Rathaus (Römer) überreicht. Dabei wird auch der letzte DDR-Ministerpräsident, Lothar de Maizière (CDU), sprechen.

Der Wächterpreis

Der "Wächterpreis der Tagespresse" ist nicht nach einer Person benannt - der Name ist Programm: "Alle Arten von von undemokratischen oder sozialschädlichen Handlungen sollen recherchiert und kritisch behandelt werden", schreibt die Stiftung "Freiheit der Presse", die den Wächterpreis seit 1971 vergibt. Die Aufgabe von Redakteuren und Reportern sei die "schonungslose Berichterstattung, ohne Rücksicht auf Namen und bestehende Verhältnisse" - und nennt: Übergriffe, Missbräuche, Missstände, Mauscheleien, Korruption, Filz, Vetternwirtschaft.

Dass dieser Preis nichts mit Sensationsgier oder Sensationsmache gemein hat, stellte der frühere Stiftungsratsvorsitzende Hans J. Reinowski 1974 klar: "Der Preis soll nicht der Skandalisierung, wohl aber der Förderung einer wohlverstandenen kritischen Wachsamkeit dienen." Dabei stehe nicht die Geltungssucht des Verfassers oder die Auflagenhöhe der jeweiligen Zeitung im Vordergrund. Vielmehr gehe es um das Allgemeinwohl und das Recht der Bürger auf Information.

Der Stiftungsrat sieht die Funktion des Wächterpreises auch als Aufwertung der journalistischen Arbeit vor Ort, insbesondere von Geschehnissen fernab der großen Städte, TV-Medien und großen Magazine. Seit 1971 haben mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten den begehrten Preis zuerkannt bekommen, darunter auch 2001 Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung), der inzwischen als bundesweite Größe im Kampf gegen die Korruption gilt.