Gefangen im Faradayschen Käfig

Physikshow der Universität Bonn hielt die Zuschauer mit spektakulären Experimenten in Atem.

BONN. Ein dunkler Hörsaal, dramatische Musik, eine Kerze an einem Ende und eine Nebel erzeugende Holzbox auf der anderen Seite. Eine kreisförmige Öffnung, den Zuschauern zugewandt. Die Nebelringe, die daraus hervor steigen, schweben durch den gesamten Raum und bei der Kerze angekommen, bringen sie diese wie durch Zauberhand zum Erlöschen.

Die Physikshow, die am Samstag und gestern im Wolfgang-Paul-Hörsaal der Uni Bonn über die Bühne ging, ist längst schon legendär geworden. Denn die Studenten um Professor Herbert Dreiner schaffen es irgendwie immer wieder, das Publikum zu fesseln. So auch eine Zuschauerin, die kurzerhand zum Todespendel auf die Bühne musste.

Wenn eine 25 Kilo schwere Kugel unkontrolliert auf das eigene Gesicht zu schwingt, ist es leicht verständlich, dass so manch einer erst einmal zusammenzuckt. So auch die überraschte Frau auf der Bühne, die erst im Nachhinein erfuhr, dass die Kugel rein physikalisch ihr Gesicht niemals hätte erreichen können. "Es ist lustig zu sehen, wie die Leute zurückschrecken", so Organisatorin Claudia Lütz. Seit fast zehn Jahren findet das wissenschaftliche Spektakel nun schon statt. "Physik macht Spaß, das ist nicht nur was für Leute, die dafür ein Faible haben."

Dieses Mal haben sich die Organisatoren der Show sich etwas Besonderes ausgedacht. Die komplette Veranstaltung war im "Wetten dass?"-Stil konzipiert. Es gab Kandidaten und sogar Stargäste wie Angela Merkel, Homer Simpson und Thomas Gottschalk, alle gespielt von den Studenten selbst.

Und natürlich durfte auch die Saalwette nicht fehlen. Die Zuschauer schafften es durch bloßes Einander-Berühren, ein durchtrenntes Kabel zwischen Discman und Lautsprecher zu überbrücken. Da der menschliche Körper Strom leitet, gelangte das Musiksignal auch ohne Kabel zu den Boxen.

Moderator Volker Schilling, der gegen das Experiment gewettet hatte, musste als Strafe in den Faradayschen Käfig. Auf diesen lenkten die Studenten dann eine Hochspannung von knapp 100 000 Volt. Dem Studenten passierte natürlich nichts, die Spannung sammelte sich auf der Außenseite des Käfigs.