ProBeethovenhalle

Gedenktafel am Standort der 1944 zerstörten zweiten Beethovenhalle

Kamen verkleidet zur Enthüllung der Gedenktafel: Günther Montag, Hans Hinterkeuser, Doro Schmitz und Reinhard Rösler von ProBeethovenhalle (von links). Bürgermeister Helmut Kollig (Dritter von rechts) war beeindruckt.

BONN. Bürgermeister Rösler kam zur Einweihung als Beethoven, und auch Andere hatten sich kostümiert: Simrocks Gedicht entsprechend kam Doro Schmitz als "edle Bonna", Günther Montag als Maurermeister und Geschäftsführer Hans Hinterkeuser als Rezitator mit Frack und Zylinder. Die Idee zur Erinnerungstafel hatte Franz Rübenach.

"Trauernd saß die edle Bonna, sie, des Rheines schönste Tochter." So beginnt ein Gedicht, das Karl Simrock zur Grundsteinlegung der zweiten Beethovenhalle am 3. April 1870 geschrieben hat. Es drückt aus, dass den Bonnern damals etwas fehlte, das dem größten Sohn der Stadt Ludwig van Beethoven und seinen Werken gerecht wird - bis ein Maurermeister sich der Sache annimmt und eine Stätte errichtet, in der seine Werke erklingen können. "Lange rage dies Gebäude, unsrer Bürger Lust und Freude!", so schließt es.

Dass es eine solche Halle gab, das habe er schon gewusst, sagte Bürgermeister Helmut Kollig bei der feierlichen Enthüllung einer Erinnerungstafel. Aber viel mehr sei ihm nicht bekannt gewesen. Schon gar nicht, dass es vor jener Halle schon eine andere gegeben hatte, weshalb er das Engagement des Vereins ProBeethovenhalle sehr begrüßte: Dieser hatte sich darum bemüht, den alten Standort herauszufinden.

Das sei nicht so leicht gewesen, sagte der Vorsitzende Reinhard Rösler. Aber letztlich habe man erfahren, dass diese Beethovenhalle 1871 an der Stelle eröffnet wurde, an der heute das Haus Berliner Freiheit 20-24 steht. Man habe sich erfolgreich mit den Hauseigentümern in Verbindung gesetzt und durfte die Erinnerungstafel anbringen.

Rösler kam zur Einweihung als Beethoven, und auch andere Vereinsmitglieder hatten sich kostümiert: Simrocks Gedicht entsprechend kam Doro Schmitz als "edle Bonna", Günther Montag als Maurermeister und Geschäftsführer Hans Hinterkeuser als Rezitator mit Frack und Zylinder. Die Idee zur Erinnerungstafel hatte Franz Rübenach. Die Zerstörung Bonns habe er als Sechsjähriger miterlebt. "Seitdem hielt ich vergeblich Ausschau nach einem Hinweis." Aber zur damaligen Beethovenhalle habe er nichts finden können, weshalb er über das Beethovenhaus letztlich Kontakt mit ProBeethovenhalle erhielt. "Endlich geht für mich als Ur-Bonner ein Traum in Erfüllung", so Rübenach.

"Auf die Idee muss man erst mal kommen", lobte Kollig. Er sei Bekenner der Beethovenhalle, die damals wie heute nicht nur Konzert-, sondern Mehrzweckhalle ist. "Und das ist auch gut so", betonte er. Er hob auch hervor, dass im Zusammenhang mit der Halle "das bürgerliche Engagement immer eine große Rolle gespielt hat". Das steigere das gemeinsame Bewusstsein für Land und Stadt. Deshalb sei es gut, dass der Beschluss zur Sanierung durchgekommen sei, wenn auch nicht ganz so, wie es nötig gewesen wäre, sagte Kollig. Er dankte dem Verein ProBeethovenhalle für die Erinnerungstafel. "Sie haben mir persönlich die Bonner Geschichte ein bisschen näher gebracht."

Die zweite Beethovenhalle

Die Beethovenhalle wurde am 17. Dezember 1871 eingeweiht und stand bis zur Bombardierung Bonns am 18. Oktober 1944 am ehemaligen Vierecksplatz. Sie war Schauplatz vieler Konzerte und anderer Veranstaltungen und damals Bonns größter Versammlungsort. Auch sie hatte ein Restaurant neben dem Eingang. Während des Ersten Weltkrieges diente die Halle als Lazarett. Die erste Beethovenhalle wurde 1845 anlässlich der Aufstellung der Beethovenstatue auf dem Münsterplatz für Franz Liszts Konzertaufführung in der heutigen Franziskanerstraße errichtet und schon zwei Monate später wieder abgerissen. Die heutige dritte Beethovenhalle wurde am 8. September 1959 von Bundespräsident Theodor Heuss eingeweiht.