Bonn in Trümmern

Gedenkstunde für die Toten des Luftangriffs vom 18. Oktober 1944

BONN. Es ist ein Tag, den ältere Bonner nie vergessen werden. Am 18. Oktober 1944 starben rund 300 Menschen bei einem Luftangriff des Zweiten Weltkriegs, viele weitere wurden obdachlos.

Unter anderem wurde auch die damalige Bonner Altstadt rund um die Gertrudis-Kapelle am Rheinufer zerstört. Das Ende eines ganzen Viertels. Zum Gedenken der Toten lud das Frauenmuseum am Montag zu den Ausgrabungsfunden der Gertrudis-Kapelle, die seit einigen Wochen im Museumshof stehen.

An der Gedenkstunde nahmen rund 50 Besucher teil, darunter Museumsdirektorin Marianne Pitzen und die Sängerin Stefania Adomeit. Die CDU-Stadtverordnete Christiane Overmans sprach ein Grußwort. "Wir wollen jährlich am 18. Oktober um 11.03 Uhr eine Gedenkfeier für die Opfer abhalten", sagte Curt Delander. Der Künstler ist Initiator einer Installation von Funden der Gertrudis-Kapelle: Neben Trachyt-Fußbodenplatten der Kirche sind auch Mauerreste des Hauses Rheingasse 7, in dem einst die Familie van Beethoven wohnte, und Pflastersteine der Giergasse zu sehen.

Funde, die Delander zufolge bei den Ausgrabungen am Brassertufer zu Tage traten. Weitere fünf tonnenschwere Bauteile würden in den nächsten Tagen angeliefert. Auch das schmiedeeisernes Kreuz des Kunstschmieds Andreas König sei aus altem Material der Kapelle gefertigt.

Korrespondenz zwischen der Stadt und der Remigius-Pfarre aus den 60er Jahren belege, dass zeitweise ein Wiederaufbau der Kapelle als Mahnmal im Gespräch war, erläuterte Delander. Nachdem sich der Vertreter der Pfarrei nicht mehr gemeldet habe, habe die Stadt den Vorgang 1965 zu den Akten gelegt.

"Das war ein Zittern und ein Beben", erinnerte sich Rudolf Weidenbrück. Der heute 76-Jährige war zehn, als er den Luftangriff miterlebte. Es sei ein sonniger Tag gewesen. Er habe in der Giergasse nahe seinem Elternhaus gespielt, als der Fliegeralarm ertönte. Gemeinsam mit seiner Mutter sei er in den Keller geflüchtet. "Der Luftdruck riss die Türen raus, die Fenster raus", berichtete Weidenbrück.

"Ich finde es schlimm, was da passiert ist", sagte sein Enkel Oskar Orthen. Der Zwölfjährige hat beim Aufbau der Installation am Frauenmuseum mitgeholfen.

"Viele Familien waren von heute auf morgen obdachlos - wir hatten nichts mehr", berichtete Johannes Kieserg (82). Mit damals knapp 16 Jahren sei er zum Schanzeinsatz eingezogen gewesen. "Als ich wiederkam war alles kaputt."

Im Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, ist die Ausstellung "Die verlorene Altstadt von Bonn: abgebrannt und zugeschüttet" Di. bis Sa., 14 bis 18 Uhr, und So.,11 bis 18 Uhr, zu sehen.