Kommentar

Fremdes Land

Es ist selbst für Schulleiter, die sich immer wieder mal mit dem Spannungsverhältnis von Bildungs- und Erziehungsauftrag und religiösen Überzeugungen auseinandersetzen müssen, ein ungewöhnlicher Fall: Muslimische Eltern wollen ihren Sohn vom koedukativen Schwimmunterricht befreien lassen, damit er keine halbnackten Mitschülerinnen sehen muss.

Und wir hören schon die populistischen Parolen: Wer zu uns nach Deutschland kommt, der soll sich auch unseren Regeln unterwerfen, so wie wir das in islamischen Ländern auch tun müssen. Doch das hieße das Problem völlig zu verkennen.

Menschen, die aus anderen Kulturkreisen mit strengen religiösen und moralischen Vorstellungen in unser Land kommen, fühlen sich oft fremd. Daran ändern auch die Integrationsangebote nichts, denn die geben den meisten nicht das Gefühl, in einer neuen Heimat festen Boden unter den Füßen zu haben.

Vor allem die in unserer westlichen Konsumgesellschaft oft bis zur Unkenntlichkeit aufgeweichten Moral- und Wertevorstellungen dürften dazu führen, dass muslimische Eltern ihre Kinder noch stärker im vermeintlich sicheren Rahmen ihrer eigenen Glaubensgrundsätze schützen wollen.

Bevor wir vorschnell ein Urteil fällen, sollten wir uns fragen, wie offen wir mit Fremden und Fremdem umgehen.

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