Norbert Weidner

Früherer Neonazi ist weiterhin FDP-Mitglied

BONN. Norbert Weidner, ehemaliger Funktionär der 1995 verbotenen neonazistischen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), beschäftigt nach wie vor die Bonner FDP. Deren Parteiausschlussverfahren gegen den 39-Jährigen, der schon mit 15 der rechtsextremen Wiking-Jugend beitrat und als Chefredakteur der Burschenschaftlichen Blätter in einem Leserbrief den von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter tituliert hatte, hat noch zu keinem Erfolg geführt.

Wie Joachim Stamp, Generalsekretär der NRW-FDP, dem GA auf Anfrage erklärte, laufe das Verfahren noch. Mitte April hatten Medienberichte die Bonner Liberalen aufgeschreckt. So hatten sie erfahren, dass ihr FDP-Mitglied Weidner seit 1999 Mitglied der in Bonn ansässigen Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks und Funktionär des Dachverbandes der Deutschen Burschenschaft ist.

Niemand bei der Bonner FDP kannte Weidner persönlich, und schließlich ergaben die Recherchen: 2001 war Weidner der FDP beigetreten und 2009 durch Zuzug nach Bonn und Meldeanschrift in Lessenich Mitglied des FDP-Kreisverbandes Bonn geworden.

Der Röttgener Stamp kündigte daraufhin ein sofortiges Ausschlussverfahren an, doch das durchzusetzen, ist grundsätzlich nicht so einfach. GA-Recherchen zufolge müssen wesentliche Kriterien erfüllt sein: Das Verhalten des Betroffenen muss parteischädigend sein und gegen die Grundsätze der Partei verstoßen.

Ob Weidner überdies noch gegen das Gesetz verstoßen hat, prüft seit April auch die Bonner Staatsanwaltschaft. Wie deren Sprecher Fred Apostel auf Anfrage bestätigte, werde nach wie vor gegen den seit seiner Jugend bei Bonns Justiz bekannten Weidner wegen dessen Äußerungen in dem Leserbrief wegen des Verdachts der Verunglimpfung Verstorbener ermittelt.

Trotz der dadurch entstandenen Aufregung in liberalen Burschenschafterkreisen und damit einhergehender Proteste scheiterte ein Antrag auf Abwahl Weidners als Chefredakteur der Burschenschaftlichen Blätter Anfang Juni beim Deutschen Burschentag in Eisenach.

Weidner und die Raczeks, in deren Vorstand er ist, waren bereits vorher massiver Kritik ausgesetzt, auch innerhalb der Verbindungsszene, weil sie einen Antrag auf Ausschluss einer anderen Verbindung stellen wollten und einen Nachweis für deutsche Abstammung forderten. Grund: Die Verbindung hatte einen Studenten mit chinesischen Wurzeln aufgenommen. Aufgrund der massiven öffentlichen Kritik nahmen die Raczeks den Antrag vor dem Burschentag zurück.