Stadthaus Bonn

Fassadenscheiben werden ab Dienstag abgeschraubt

BONN. Ab Dienstag wird sich die äußere Optik des Stadthauses entscheidend verändern: Die Fassadenscheiben werden Stück für Stück abgehängt. Aus Sicherheitsgründen, erklärte Marc Hoffmann vom Presseamt. Die Verankerung der Scheiben hat sich über die Jahre an vielen Stellen gelockert, wie eine Untersuchung im vorigen Jahr ergab. Um kein Risiko einzugehen, sollen sie nun komplett entfernt werden.

Ursprünglich sollten die Scheiben schon in diesem Frühjahr abgehängt werden. Doch die Verwaltung verschob den Termin. Es sollte geprüft werden, ob auch eine andere Technik eingesetzt werden könne als das bis dahin zur Rede stehende aufwendige Verfahren, die Scheiben einzeln abzunehmen. "Das Ergebnis war leider negativ", sagte Hoffmann auf GA-Nachfrage am Wochenende.

Es bleibe dabei: Die Arbeiter werden die Scheiben peu à peu per Hand abnehmen müssen. Mit exakt 3186 Glasscheiben, je 1,12 Meter mal 1,32 Meter groß und rund 50 Kilogramm schwer, ist die Fassade der Stadthaustürme bestückt. Zunächst sollen Hoffmann zufolge aber nur rund 1600 Scheiben abmontiert werden, die über den öffentlichen Verkehrswegen hängen.

Sie sollen zertrümmert und mit Hilfe eines Außenaufzuges abtransportiert werden. Begonnen wird, so Hoffmann weiter, mit der Südfassade des sogenannten D-Turms, wozu auf der Plattform zwischen Berliner Platz und Maxstraße heute eine Baustelle eingerichtet wird. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Eine Funktion haben die Fassadenscheiben nicht, sie bilden lediglich ein gestalterisches Element. Die Demontage der Glascheiben wird, so sind sich Eingeweihte sicher, die Diskussion um Abriss und Neubau oder Sanierung des mehr als 40 Jahre alten Stadthauses (siehe Infokasten) erneut befeuern.

Wie berichtet, hat die schwarz-grüne Ratsmehrheit sich bereits festgelegt und will das Stadthaus sanieren. Dafür plädiert auch das städtische Gebäudemanagement (SGB). Nach einer Plausibilitätsprüfung der bisherigen Kostenschätzungen käme die Sanierung im Bestand samt einer Arrondierung des Areals mit Neubauten rund 21 Millionen Euro teurer als bisher angenommen und läge bei 200 Millionen Euro.

Darin enthalten sind rund 42 Millionen Euro für eine zusätzliche Bebauung der Freifläche entlang der Max- und Weiherstraße. SPD und FDP dagegen favorisieren mit Blick auf die aus ihrer Sicht zu hohen Sanierungskosten den Abriss und Neubau des Verwaltungsbaus an anderer Stelle, etwa auf dem Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums an der B9.

Der letzte Stand ist: In der jüngsten Sitzung des Projektbeirats Stadthaus vor der Sommerpause haben die Politiker die Zukunft des Stadthauses erst einmal wieder einmal vertagt. Bis 2014 soll das Städtische Gebäudemanagement noch einmal alle Zahlen durchrechnen und für mehr Klarheit sorgen.

Nicht aufgeschoben werden sollen allerdings absolut notwendige Arbeiten, um den Betrieb des Haues nicht zu gefährden. Dazu zählen laufende Reparaturen an den Aufzügen, akute Brandschutzmaßnahmen und wie aktuell die Verlegung von neuen Teppichböden in den stark frequentierten Ämtern wie Bürgeramt oder Kfz-Zulassungsstelle.

Das Stadthaus

Nach der kommunalen Neuordnung und der Eingemeindung der Städte Beuel und Bad Godesberg sowie des Amtes Duisdorf 1969 nach Bonn platzte das Alte Stadthaus am Bottlerplatz aus allen Nähten. Der damalige Stadtrat lobte deshalb einen Architektenwettbewerb aus, den die Stuttgarter Architekten Heinle, Wischer & Partner gewannen.

Trotz massiver Prostete aus der Bürgerschaft wurden für den Bau des neuen Stadthauses mehrere Straßenzüge der gründerzeitlichen Nordstadt abgerissen. Die Bauarbeiten für den Neubau mit fünf Türmen begannen 1973 und dauerten vier Jahre. 1978 wurde das Stadthaus eingeweiht. Baukosten: 180 Millionen Mark (rund 90 Millionen Euro).